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Im Kino: Oskar Roehlers „Quellen des Lebens“

Quellen_des_Lebens_09_c_X-VerleihOskar Roehler hat seinen biografischen Exorzismus als radikale Veräußerung betrieben und die Sprengreste seiner Kindheit über seine Filme verteilt. Zusammengefasst werden die Motive in seinem 2011 erschienenen, von der Kritik gefeierten Roman „Herkunft“: die egozentrische Mutter mit literarischem Talent und Kleopatraperücke, der nicht ganz so begabte, erotomane Vater, die Emporkömmlinge und der Großvater mit der Gartenzwergfabrik. Unter dem Titel „Quellen des Lebens“ kommt diese Familiensaga, die zugleich ein Psychogramm (rand-) westdeutscher Geschichte ist, jetzt in die Kinos. Erzählt wird „von einem, der sich am eigenen Schopf aus dem Mist zieht“, wie Roehler es in unserem Gespräch beschreibt. Es ist seine Geschichte, vom Kennenlernen der Eltern bis zur lustvoll überhöhten Selbstbefreiung in der ersten Liebe. Der Film bringt das sorgfältig Rekonstruierte zum Tanzen, mal zart, mal brachial, eine kalkulierte Achterbahnfahrt der Affekte, ohne Angst vor der Hölle oder dem Idyll. Entstellt bis zur Kenntlichkeit, macht Roehler die Bilderwelt stofflich und die Körper fleischlich, um sich daran reiben zu können.

Text: Stella Donata Haag

Foto: X-Verleih

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Quellen des Lebens“ im Kino in Berlin

Quellen des Lebens Deutschland 2012; Regie: Oskar Roehler; Darsteller: Jürgen Vogel (Erich Freytag), Moritz Bleibtreu (Klaus Freytag), Lavinia Wilson (Gisela Ellers); 173 Minuten; FSK 12;

Kinostart: 14. Februar

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