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Im Kino: „Papadopoulos & Söhne“ von Marcus Markou

Papadopoulos_und_Soehne_02_c_NeueVisionenFilmverleihHarry Papadopoulos ist ein gemachter Mann. Gerade ist er zum „Europäischen Unternehmer des Jahres“ ernannt worden, demnächst wird er mit der Eröffnung des Einkaufszentrums Papadopoulos Plaza die Bandbreite seines Unternehmens vergrößern. Doch dem kommt die nächste Finanzkrise zuvor, die Gläubiger fordern die Rückzahlung ihrer Darlehen binnen kürzester Frist. Sogar das luxuriöse Eigenheim, in dem der Witwer mit seinen drei Kindern und einer Haushälterin lebt, muss geräumt werden. Doch da gibt es noch ein heruntergekommenes und längst geschlossenes Fish-&-Chips-Restaurant, das die Bank nicht pfänden kann, weil es zur Hälfte Harrys Bruder Spiros gehört. Mit dem allerdings hat Harry seit Jahren nicht mehr geredet. Auch wenn der Laden in einem total heruntergekommenen Zustand ist, gelingt es Spiros dennoch mit seinem ansteckenden Optimismus die Familienmitglieder von der Machbarkeit eines Neuanfangs zu überzeugen. Das dauert bei Harry natürlich am längsten, aber irgendwann erkennt auch der, dass die Maxime, die er zu Beginn des Films seinem ältesten Sohn vorhielt, als der sich lieber mit Pflanzen beschäftigen wollte, als sein Jurastudium zu beenden, genauso auf ihn selber zutrifft: Gemäß Darwin wird nämlich nur derjenige überleben, der sich anzupassen versteht.

Nie verleugnet das Filmdebüt des Autors Marcus Markou seinen Charakter als Feelgood-Movie, was auch bedeutet, dass (fast) alles so läuft, wie es der Zuschauer schon erahnt. Dass das hier funktioniert, liegt nicht zuletzt an den Darstellern, zumal an denen der beiden ungleichen Brüder. Überzeugend verkörpert Stephen Dillane („Game of Thrones“, „Welcome to Sarajevo“) den griesgrämigen Protagonisten, der kaum einmal eine Mine verzieht, während Georges Corraface den lebenslustigen Spiros als legitimen Nachfahren von „Alexis Sorbas“ gibt, jener Figur, für die Anthony Quinn 1964 eine Oscar-Nominierung erhielt. Ähnlich wie Sorbas seinerzeit einem gehemmten britischen Schriftsteller griechische Lebensfreude beibrachte, funktioniert das auch hier. Und während man sich noch fragt, ob dies nicht letztlich ein ins London der Gegenwart versetzter Aufguss der Sorbas-Story ist, da tanzen in der letzten Szene alle zu den Klängen von Mikis Theodorakis‘ berühmter „Sorbas“-Musik den Sirtaki.

Text: Frank Arnold

Foto: Neue Visionen Filmverleih

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Papadopoulos & Söhne“ im Kino in Berlin

Papadopoulos & Sons Großbritannien 2012; Regie: Marcus Markou; Darsteller: Stephen Dillane (Harry Papadopoulos), Cosima Shaw (Sophie), Georges Corraface (Spiros Papadopoulos); 109 Minuten; FSK 0; Kinostart: 27. Juni 

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