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Im Kino: „Paradies: Hoffnung“

Paradies: Hoffnung

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Das gilt auch für Ulrich Seidls „Paradies“-Trilogie. Nachdem der Filmemacher in den beiden vorangegangenen Teilen die von Paulus im Korintherbrief 13 genannten christlichen Tugenden „Liebe“ und „Glaube“ auf ihre Realitätstauglichkeit hin überprüft hat, nimmt er nun die „Hoffnung“ ins Visier. Erneut in Form eines Laborversuchs, der eine Protagonistin in einer hermetischen Welt voll eigener Gesetzmäßigkeiten mit den Möglichkeiten eines Begriffs konfrontiert. Weil ihre Mutter in Kenia weilt und ihre Tante mit der Wandermuttergottes missionieren muss, verbringt die hübsche, nur leider etwas dicke Melanie die Sommerferien in einem Diätcamp. Dort verliebt sie sich, mit der ganzen Kraft einer Jungmädchenschwärmerei, in den leitenden Arzt. Seidl sucht den Gefühlsaufruhr in typisch strenger Einstellungs-Kadrage dingfest zu machen, gar zu sezieren. Doch seine pubertierenden LaiendarstellerInnen halten wenig von analytischer Herzenskälte, sie setzen ihre Hoffnung auf das Glücksversprechen der Liebe dagegen und halten an diesem Glauben fest. Seidls formalistische Meisterschaft zieht den Kürzeren, Lebenslust entkommt in die Freiheit.

Text: Alexandra Seitz

Foto: Neue Visionen

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Paradies: Hoffnung“ im Kino in Berlin

Paradies: Hoffnung, Österreich/Frankreich/Deutschland 2012; Regie: Ulrich Seidl; Darsteller: Melanie Lenz (Melanie), Joseph Lorenz (Diätarzt), Verena Lehbauer (Verena); 92 Minuten; FSK 12

Kinostart: 16. Mai

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