Kino & Stream

Im Kino: „Paranormal Activity 2“

Paranormal Activity 2

Das hat man in Zeiten von „Saw“ und „Scar“ fast vergessen: dass man sich im Kino auch gruseln kann, ohne dass man Augenzeuge wird, wie auf der Leinwand Menschen in Stücke gerissen werden. Es kann auch genügen, den Hauch des Bösen zu spüren.
Am Anfang des Films kehrt eine vierköpfige Familie in ihr Haus zurück. Dort haben offenbar Vandalen gehaust, woraufhin der Vater Überwachungskameras installieren lässt. Die fangen zunächst nur die Banalität des Alltagslebens ein, dann aber zunehmend Unheimliches. Der Hund bellt dauernd jemanden (oder etwas) an, das der Zuschauer nicht sieht, der kleine Sohn wird nachts im Bett von unsichtbaren Kräften hin- und her gezogen. Dasselbe passiert der Mutter auf der Treppe, da sind die Bewegungen schon heftiger. Den größten Teil des Geschehens sieht der Zuschauer durch die Überwachungskameras. Da die aus der Deckenperspektive die Räume in Totalen einfangen, muss man manchmal schon genau hinsehen, um die Veränderungen zu bemerken – da nähert sich der Film geradezu dem experimentellen Kino an.
„Paranormal Activity 2“ hat mit seinem Budget von 3 Millionen Dollar zwar das Zwanzigfache des Originals gekostet, aber er ist ihm treu geblieben und zugleich noch raffinierter geworden. Inhaltlich erweist er sich als Prequel des ersten Films – ein Prequel, das am Ende zum Sequel wird. Man kann ihn verstehen, ohne den ersten Film gesehen zu haben. Wer allerdings den ersten Film kennt (mittlerweile bei Senator Home Entertainment als DVD erschienen), der kann sich über die Querverbindungen freuen, die sichtbar werden. Was bereits vor elf Jahren „The Blair Witch Project“ zeigte, dass man nämlich einen intelligenten Horrorfilm auch mit minimalem Budget machen kann, das demonstriert dieser Film erneut – und setzt dabei mit seiner Perspektive der starren Überwachungskamera anstelle der nervösen Handkamera neue Akzente.

Text: Frank Arnold

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Paranormal Activity 2“ im Kino in Berlin

Paranormal Activity 2, USA 2010; Regie: Tod Williams; Darsteller. Brian Boland (Daniel Rey), Sprague Grayden (Kristi Rey), Molly Ephraim (Ali Rey); 91 Minuten; FSK 16

Kinostart: 4. November

Mehr über Cookies erfahren