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Im Kino: "Pelo Malo"

Im Kino: "Pelo Malo"

Drama Junior ist neun Jahre alt und wünscht sich nichts sehnlicher als glattes Haar. Er wächst in einer Hochhaussiedlung in Caracas, Venezuela auf, seine Mutter hat ihren Job als Wachfrau gerade verloren, sein Vater ist tot. Marta, Juniors Mutter sieht die Sehnsüchte ihres Sohnes, der gerne singt und tanzt und sich "ständig die Haare kämmt" mit großem Befremden. "Ist er schwul?" fragt sie den Kinderarzt. Schwul sein bedeutet für Juniors Mutter weich sein, und weich sein darf ein Mann nicht, wenn er zwischen Bandenkriegen und Armut überleben will. Sie selbst begegnet ihrem Sohn mit großer Härte. Ein Ausweg für Junior könnte seine Großmutter sein. Doch die erlaubt ihm zwar sein Haar zu glätten, wenn er bei ihr ist, möchte ihm aber bei der Gelegenheit – gegen seinen Willen – auch gleich ein Kleid anziehen.
Der Filmtitel "Pelo Malo" ist eigentlich ein rassistischer Ausdruck für lockiges Haar. Junior bei seinen Glättungsversuchen zuzusehen, zerbricht einem nicht nur deshalb das Herz. Der Plot erinnert zwar an witzigere, sanftere Filme darüber, entgegen aller Widerstände seine eigene Identität zu finden, doch Regisseurin Mariana Rondуn zeigt Juniors Welt, in der es keinen Platz für Intimität gibt und schon gar keinen dafür, sich selbst zu finden, in fast dokumentarischen Bildern, die wenig Raum für Auswege lassen. Ein unheimlich trauriges Drama um Rassismus und Homophobie. Und darüber, was Menschen hart macht.  

Text: Anna Mayrhauser

Foto: imfilm

Orte und Zeiten: Pelo Malo

Pelo Malo VEN 2013, 93 Min., R: Mariana Rondуn, D: Samuel Lange, Samantha Castillo??

Kinostart: Do, 31. März 2016

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