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Im Kino: „Planet der Affen – Revolution“

Planet der Affen – Revolution

„Möchten Sie auch einen Kaffee?“, fragt Andy Serkis. Es ist ein heißer Juli-Tag in Berlin-Mitte, Serkis wirkt in dem Hotelzimmer in Jeans, mit Bart und strubbeliger Frisur lässig, aber auch etwas müde. Sein Tag ist lang und wird noch länger. Nach Interviews zu seinem neuen Film „Planet der Affen – Revolution“ steht noch ein Fototermin an der Oberbaumbrücke an. Wer ihn nur im Kino gesehen hat, würde ihn vermutlich nicht erkennen: Serkis spielte Gollum in der „Herr der Ringe“-Trilogie und dem ersten „Hobbit“, er war 2005 der Riesenaffe in „King Kong“ (2005) und später Käpt’n Haddock in Spielbergs „Tim und Struppi“-Film. Gewaltige Erfolge, aber wirklich zu erkennen war er da nicht, denn Andy Serkis’ Darstellungen waren „Motion Capturing“-Arbeit. Der Schauspieler steckt dafür bei seinen Aufnahmen in einem eng anliegenden Anzug, sein ganzer Körper und sein Gesicht sind mit hellen Markierungspunkten übersät, auf dem Kopf trägt er eine kleine Kamera, die seine Mimik einfängt – Ausgangsmaterial für CGI-Techniker, die daraus erst am Rechner die Leinwandfigur oder -kreatur machen.
Das klingt sehr technisch und ist keine leichte Arbeit. „Heute gibt es eine Wertschätzung, die früher nicht da war“, sagt Serkis, „auch viele Zuschauer wissen inzwischen, wie viel Arbeit und wie viel Schauspiel im Motion Capturing steckt.“ Auch in „Planet der Affen – Revolution“ steckt viel Arbeit. Wie im ersten Film der neuen Reihe („Prevolution“, 2011) spielt Andy Serkis erneut Caesar, den genetisch veränderten Schimpansen, der sich mit anderen intelligenten Affen in die Wälder bei San Francisco zurückgezogen hat. Caesar ist Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, ein weiser Anführer der Primaten, der eine Zukunft und Zivilisation gestalten will, aber auch mit den eigenen animalischen Instinkten ringt. ?80 Prozent des Drehs fanden draußen statt, eine technische wie darstellerische Herausforderung.
IMAX- und Motion-Capturing-Ausrüstung mussten in die Wälder gebracht werden. „Ich kam mir manchmal so vor, als würde ich ‚Fitzcarraldo‘ drehen“, sagte Regisseur Matt Reeves. Jede Einstellung muss für Motion Capturing mehrfach gedreht werden, mit und ohne Affendarsteller. Den Schwärmereien seines Regisseurs über die technischen Möglichkeiten stellt Serkis eher Ernüchterung gegenüber. „Viel ist in den letzten Jahren einfacher geworden“, erklärt er, „aber das betrifft nur die Nachbearbeitung. Meine Arbeit hat sich eigentlich nicht geändert.“
Dass er zur Galionsfigur und zum Superstar des Motion Capturing aufsteigt, war Andy Serkis selbst nicht klar. „Der Wendepunkt für mich war etwa 2002, zum Ende der ‚Herr der Ringe‘-Dreharbeiten“, sagt Serkis. „Bis dahin dachte ich, nach Gollum würde ich einfach wieder ganz normal als Schauspieler weiterarbeiten. Aber dann hat mich Peter Jackson gefragt, ob ich nicht King Kong sein möchte. Und da wurde mir klar, welche Möglichkeiten Motion Capturing bietet – man kann da wirklich jeder Mensch und jedes Wesen sein!“
Diese Möglichkeiten sieht man auch in dem neuen Film: Neben Toby Kebbells Koba, Tierversuchsopfer, Krieger und Caesars linke Hand – „eine großartige Darstellung!“ (Serkis) – sieht man die Schauspielerin Karin Konoval als behäbigen, wissbegierigen Orang-Utan Maurice. „Größe, Hautfarbe, Geschlecht spielen bei Motion Capturing keine Rolle“, sagt Andy Serkis. „Das ist reines Schauspiel, bei dem man mit Haltung, Mimik und Stimme arbeitet. Wichtig ist jedes darstellerische Detail.“

Planet der Affen – Revolution

Und obwohl Serkis immer wieder auch ganz traditionell in Filmen auftritt, ist er längst ein Überzeugungstäter in Sachen Mo­tion Capturing geworden. In London hat er das Studio The Imaginarium gegründet, in dem die nötigen schauspielerischen Techniken erlernt und verfeinert werden können.
Serkis war Berater bei „Godzilla“, als Nächstes führt er Regie bei einer Motion- Capturing-Version des „Dschungelbuchs“. Hat er als Pionier und Veteran des Motion Capturing keine Sorge, dass solche Auftritte irgendwann banal und reizlos für das Publikum werden? „Ich will kein Monopol darauf“, sagt Serkis, „je mehr Leute das gut machen, desto besser. Die Zuschauer sollen die Figur sehen und nicht die Technik.“
Demnächst wird er in „Avengers 2“ und dem neuen „Star Wars“-Film zu sehen sein. Als was oder wer, das sagt Andy Serkis nicht.

Rezension von Planet der Affen – Revolution

Zehn Jahre nachdem aus einem Forschungslabor erst ein Schimpanse und dann ein tödliches Virus entkam, ist die Welt weit­gehend entvölkert. Der junge Affe von einst, Caesar (Andy Serkis), lebt mit anderen intelligenten Affen in den Wäldern nahe San Francisco. Mühsam, aber produktiv entsteht hier eine neue Zivilisation. Doch in der Stadt leben noch einige Hundert Menschen, angeführt von dem sensiblen Malcolm (Jason Clarke) und dem obsessiven Dreyfus (Gary Oldman). Die einen sind verzweifelt, die anderen skeptisch, friedliche Koexistenz scheint leider nur kurz möglich. Regisseur Matt Reeves verlagert im zweiten, neuen „Planet der Affen“-Film den Blickwinkel endgültig zu den Primaten, auch darstellerisch sind die den Menschen hier deutlich überlegen. Dass einiges erzählerisch nur Skizze und nicht ohne Längen bleibt, ist kein echtes Problem angesichts bemerkenswerter Bilder und einer grüblerischen Geschichte.  

Text: Thomas Klein 

Foto: 2014 Twentieth Century Fox

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: Planet der Affen – Revolution

Dawn of the Planet of the Apes (OT) USA 2014; R: Matt Reeves; ­?D: Andy Serkis (Caesar), Jason Clarke (Malcolm); 131 Min.

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