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Im Kino: „Poliezei“

Poliezei

Der goldene Herbst 2011 zeigt auch Paris von seiner fotogensten Seite – sogar versonnen lächelnde Franzosen sind allerorten zu sichten und in der Sonne vor dem Cafй Beaubourg, dem unverwüstlichen Hipstertreff nahe Les Halles, lümmeln sich wie seit Jahrzehnten schon die Langbeinigen und irgendwie Kreativen. Innerhalb des Lokals, ihrer hohen Popularitätsrate im Lande wegen gut versteckt vor Zufallsblicken, wartet eine 35-Jährige, über die nicht erst seit den Filmfestspielen von Cannes diskutiert wird, als sie mit „Poliezei“ den stärksten Beitrag ihrer unsteten Karriere hinlegte.
Schon aus der Ferne spürt man den feinen Schirm der Distanz, die manche Frauen um sich legen, die es ihr Leben lang gewohnt sind, angestarrt zu werden. Maпwenn Le Besco – oder Maпwenn, wie sie genannt werden möchte – ist zweifellos eine auffällige Frau. Derzeit auch im fortgeschrittenen Schwangerschaftsstadium noch von amazonenhafter Statur, mit blauen Augen wie kleinen Eisplaneten und jugendlichen Zügen. Die Hollywood-Regisseurin Kathryn Bigelow fällt einem ein, wenn sich Maпwenn mit schmalen Fingern ihre braune Mähne aus dem Gesicht wischt – auch diese musste sich gegen den zweifelhaften Ruf behaupten, als modelhafte Schönheit in der männerdominierten Regie-Kaste zu arbeiten.
Kathryn Bigelow? Maпwenn zuckt die Schultern unter ihrem Batikkleid und tippt dabei ein bisschen auf ihrem Smartphone herum. Mit solchen Vergleichen kann sie gar nichts anfangen. Nein, nicht als Frau habe sie es schwer gehabt, für „Poliezei“ die Finanzierung zu bekommen. Und nun kommt sie doch in Fahrt. Alle öffentlichen Institutionen, schimpft sie wie ein Rohrspatz, hätten mitleidig den Kopf geschüttelt, als sie mit ihrer bestechenden Idee kam, einen Film über eine Einheit bei der Pariser Polizei zu drehen, die bei Verbrechen gegen Kinder aktiv wird.
Die Idee zu dem Spielfilm hatte sie, nachdem sie im Fernsehen eine Dokumentation zum Thema sah. Und weil sie ursprünglich Schauspielerin war und die Instinkte der Figurenanalyse griffen, verbrachte sie einige Monate unter den Männern und Frauen einer Jugendschutz-Einheit, studierte Arbeitsmethoden und psychologische Belastungen. Trotzdem: Als sie den Förderern und Finanziers ihre Idee vortrug, hörte sie nichts als „Non!“. Obwohl sie für ihr autobiografisches Regiedebüt „Pardonnez-moi“ aus dem Stand eine Cйsar-Nominierung für den besten Film des Jahres erhalten hatte.

Lesen Sie den vollständigen Artikel im aktuellen tip 23/2011.

Text: Roland Huschke

Foto: Wild Bunch

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Poliezei“ im Kino in Berlin

Poliezei (Polisse), Frankreich 2011; Regie: Maпwenn Le Besco; Darsteller: Karin Viard (Nadine), Joeystarr (Fred), Maпwenn Le Besco (Melissa); 127 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 27. Oktober

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