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Im Kino: „Portugal, mon amour“

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Zwei der erfolgreichsten französischen Filme aus jüngerer Zeit sind Komödien, die ihr humoristisches Kapital aus der Kollision von Welten schlagen. Ein kultureller Konflikt wird von den Protagonisten zunächst durchlitten, zuletzt aber als Bereicherung erfahren. In „Willkommen bei den Sch’tis“ wird ein südfranzösischer Postangestellter nach Nord-Pas-de-Calais strafversetzt und lebt sich nach anfänglicher Befremdung in die belächelten Bräuche des Nordens ein. In „Ziemlich beste Freunde“ versorgt der junge, vitale Senegalese aus der Banlieue den alten, querschnittsgelähmten Franzosen aus dem reichen Paris nach Überwindung der sozio-ethno-physio-generationalen Differenzen mit neuer Lebensfreude.

Die französische Komödie „Portugal, mon amour“, in Frankreich bereits vom Publikum gefeiert, könnte an die Erfolge der genannten Kassenschlager anknüpfen. Denn auch sie thematisiert kulturelle Differenz, in diesem Fall die portugiesische Community in Frankreich, und gewinnt ihre Pointen aus der Begegnung von portugiesischen und französischen Stereotypen. Die Ribeiros sind seit 30 Jahren bestens in die französische Gesellschaft integriert. Er ist Vorarbeiter auf dem Bau, sie ist Concierge im 16. Arrondissement; die Kinder ticken ohnehin französisch. Unverhofft erbt die Familie ein Haus in Portugal und beschließt, der seit Jahren schwelenden Heimatnostalgie nachzugeben. Durch ihren Fleiß und ihre Selbstlosigkeit – jene Begriffe, mit denen Portugiesen in Frankreich häufig assoziiert werden – sind sie für ihr berufliches und freundschaftliches Umfeld jedoch unverzichtbar geworden, weshalb alle versuchen, die Reisepläne der Familie zu sabotieren.

Regisseur Ruben Alves arbeitet sich genüsslich durch die nahe liegenden Ironien. So bereitet die portugiesische Mama beste Haute Cuisine, um ihre französischen Gäste zu beeindrucken, die sich eigentlich schon auf einen bodenständigen Eintopf gefreut haben und dann die Nelken- als Tulpenrevolution bezeichnen. Das im weitesten Sinne kulturelle Fettnäpfchen ist nicht selten der Grund, von dem aus die moderne Komödie abhebt. Auch wenn das nicht immer besonders tief geht, für Kurzweil sorgt es allemal.

Text: Christoph David Piorkowski

Foto: Prokino Filmverleih

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten:„Portugal, mon amour“ im Kino in Berlin

La Cage Dorйe Frankreich 2013; Regie: Ruben Alves; Darsteller: Rita Blanco (Maria Ribeiro), Joaquim De Almeida (Josй Ribeiro), Barbara Cabrita (Paula Ribeiro); 87 Minuten; FSK 0

Kinostart: 29. August

 

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