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Im Kino: „Postcard to Daddy“

Postcard-to-daddyWie konnte es dazu kommen? Was geschah da eigentlich? Warum bemerkte seine Familie nichts? Und woraus setzt sich das in der Psyche eines Menschen zusammen, was so griffig als Opfertrauma bezeichnet wird? In „Postcard to Daddy“ nimmt der Berliner Filmemacher seine jahrelange Auseinandersetzung mit sich selbst und die tröstend intensiven Gespräche mit seinen Geschwistern und der Mutter zum Anlass, um seinen Selbsthass, seine Flucht in die Drogen und die aggressive Schwulenszene der 1990er Jahre zu hinterfragen. Der mit einem Berlinale-Teddy ausgezeichnete Film geht über Affekte und Rachegefühle hinaus, wenn er ohne jeden Hass die Tragik des Opfers vor Augen führt und endlich eine Stellungnahme, wenn nicht Entschuldigung von dem längst in einer anderen Familie lebenden Vater einfordert. Michael Stocks mutiger Film lenkt die aktuelle Debatte um Kindesmissbrauch in Kirchen und Schulen auf das viel zu vernachlässigte Thema der sexuellen Übergriffe in Familien und rückt die Frage nach Sexualität und Verantwortung in den Mittelpunkt.

Text: Claudia Lenssen
tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Postcard to Daddy“ Im Kino in Berlin

Postcard to Daddy Deutschland 2009; Regie: Michael Stock; 86 Minuten

Kinostart: 27. Mai

NEUSTARTS IN BERLIN

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