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Im Kino: "Rabbi Wolff"

Im Kino: "Rabbi Wolff"

"Das Leben muss Spaß machen", sagt der heute 89-jährige William Wolff, bis vor kurzem noch liberaler Landesrabbiner von Mecklenburg-Vorpommern, und dieses Vergnügen sieht man dem alten Herrn in Britta Wauers Dokumentarfilm auch an: Immer freundlich, humorvoll und den Menschen zugewandt, beeindruckt der einst in Berlin geborene Wolff mit seiner Persönlichkeit und Tatkraft. Und eben mit seinem Vergnügen am Leben – ob er nun im Toten Meer badet, das Pferderennen von Ascot besucht oder seine Gemeinden betreut. Er nimmt es sogar auf sich, in seinem Alter noch Russisch zu lernen – was de facto die Umgangssprache in den jüdischen Gemeinden Norddeutschlands ist.
Als Rabbi ist der in der Zeit des Nationalsozialismus erst nach Amsterdam, dann nach London emigrierte Wolff ein Spätberufener: Als er sich ab 1979 zum Rabbiner ausbilden ließ, lag bereits eine lange Karriere als bedeutender politischer Journalist beim Londoner "Daily Mirror" hinter ihm. Ein spannendes Leben also, das Britta Wauter, die Wolff bei den Dreharbeiten zu ihrem Film "Im Himmel, unter der Erde" (2011) über den jüdischen Friedhof in Weißensee kennenlernte, letztlich ziemlich unspektakulär in Szene setzt. Wauters Filme haben grundsätzlich eher eine menschelnd-anekdotische als eine analytische Tendenz, doch hier rettet der interessante Protagonist das Wohlfühl-Werk unterhaltsam und anrührend über die Runden.

Text: Lars Penning

Foto: Salzgeber

Orte und Zeiten: Rabbi Wolff

Rabbi Wolff D 2015, 90 Min., R: Britta Wauer

?Kinostart: Do, 14. April 2016

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