Kino & Stream

Im Kino: „The Real American – Joe McCarthy“

The Real American - Joe McCarthy

Ein notorischer Aufschneider und Faselant sei er gewesen, und im Grunde habe er keine Ahnung gehabt, wovon er redete. Die wenigsten Zeitzeugen, die Lutz Hachmeister über den US-Senator Joseph R. McCarthy befragt, lassen ein gutes Haar an Persönlichkeit wie Wirken jenes Mannes, der sich 1957 48-jährig zu Tode soff, zuvor aber als berühmt-berüchtigter Kommunistenjäger jede Menge Unheil anrichtete.
„The Real American – Joe McCarthy“ ist ein Dokudrama, das hinter die Drohkulisse des fanatischen Populisten blicken und dessen Einfluss auf gegenwärtige US-amerikanische Politik ausloten will, bei diesem Versuch jedoch allenfalls an der Oberfläche herumkratzt und sich letztlich im Illustrativen vertändelt. Hachmeister kombiniert Interviews und Archivaufnahmen mit dem unseligen Stilmittel der nachgestellten Szene: Während nun also die O-Töne immer wieder einen faszinierenden mentalitätsgeschichtlichen Horizont aufreißen, vermitteln die Spielszenen in Guido-Knopp-Manier nichts als sinnentleerte Intimschnipsel. Die hektische Montage sowie die pseudo-dramatische TV-Dudelmusik helfen auch nicht wirklich weiter.

Text: Alexandra Seitz

Foto: Real Fiction Filmverleih

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „The Real American – Joe McCarthy“ im Kino in Berlin

The Real American – Joe McCarthy, Deutschland/Frankreich/Großbritannien 2011; Regie: Lutz Hachmeister; Darsteller: John Sessions (Joseph McCarthy), Justine Waddell (Jean Kerr), Trystan Gravelle (Roy Cohn); 94 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 12. Januar

Mehr über Cookies erfahren