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„Religulous“ mit US-Komiker Bill Maher im Kino

ReligulousDer Filmtitel „Religulous“ ist ein Wortspiel aus den englischen Worten für religiös (religious) und lächerlich (ridiculous), der Film selbst erzählt die Geschichte von einem, der auszog, das Glauben zu lernen. Der amerikanische Komiker und Fernsehmoderator Bill Maher, Sohn einer Jüdin und eines Katholiken, trifft Gläubige in der ganzen Welt, um sich bekehren zu lassen. Sein Pilgerweg führt ihn dabei an heilige Orte in Jerusalem, den Vatikan in Rom, eine muslimische Schwulenbar in Amsterdam und den „Holy Land“-Vergnügungspark in Orlando, wo er mit dem Jesus-Darsteller eines blu­tigen Kreuzigungsmusicals spricht.
In den Interviews vor laufender Kamera lässt der wortgewandte Maher seine gläubigen Gesprächspartner ins offene Messer laufen. „Aus komödiantischer Sicht hat man mit dem Thema Religion von vornherein den Jack­pot gezogen. Es gibt nichts Alberneres als all die uralten Mythen, die heute als Religion weiterexistieren“, sagt Maher.
16 Prozent aller Amerikaner sind laut Statistik nicht gläubig. Diese Menschen haben keine Lobby. Maher ist mit seinem zynischen Pragmatismus durchaus vergleichbar mit unserem Harald Schmidt. Und so nähert er sich dem sensiblen Thema vielleicht mit einer etwas zu ausgestellten Respektlosigkeit. Bill Maher will
„all den religiösen Quatsch als Schwindel entlarven“, will, dass wir endlich erwachsen werden und nicht mehr an den lieben Gott oder den allmächtigen Allah glauben. Den Weihnachtsmann haben wir schließlich auch irgendwann fallen lassen. Er diagnostiziert die Wurzel allen Übels in der Religion.
Doch „Borat“-Regisseur Larry Charles begnügt sich in seinem flott montierten Film oft mit schnellen, billigen Lachern, ohne ausführlicher auf die negativen Auswirkungen von Religion und Fanatismus in unserer heutigen Zeit einzugehen. Die oft nur sekundenlangen Bildschnipsel von religiös motivierten Terroranschlä­gen gehen im Schnittgewitter unter. Zum Glück definiert Maher seine blasphemische Botschaft am Ende noch einmal ganz deutlich: „Religion must die for mankind to live. Grow up or die.“ Ein respektloser Schenkelklopfer mit blasphemischer Botschaft, der seinen Machern trotz einiger Oberflächlichkeiten einen Platz im Fegefeuer sichern sollte.

Text: Jörg Buttgereit

tip-Bewertung: Sehenswert

Religulous, USA 2008; Regie: Larry Charles; mit Bill Maher; Farbe, 101 Minuten

Kinostart: 2. April 2009

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