Kino & Stream

Im Kino: „Renoir“

Renoir

Die Cфte d’Azur im Sommer 1915: In seiner Villa am Meer lebt der altersschwache und schwer an Arthritis leidende Maler Auguste Renoir (Michel Bouquet), umgeben von einem wild wuchernden Garten, einem sich selbst überlassenen halbwüchsigen Sohn und einer treuen Gruppe weiblicher Bediensteter. Jeden Morgen tragen sie ihn im Rollstuhl den steilen Hang zu seinem Atelier hoch, wo er trotz Schmerzen immer weiter malt.
Zu diesem seltsamen Haushalt gesellt sich die junge Andrйe (Christa Theret), sie ist auf Empfehlung der jüngst verstorbenen Ehefrau des Malers gekommen. Mit ihrer alabasterweißen Haut und ihrem flammend roten Haar ist sie ein „echter Renoir“, und sie wird zu einem der letzten großen Modelle des Malers. Die Stimmung ist verloren und unwirklich, die Männer sind im Krieg, nur ab und zu trifft man Soldaten auf den sich windenden Landstraßen, es wehen sanfte Brisen und eine verhaltene Erotik durch die leeren Zimmer der Villa, wo die dienstbaren Frauen dem Meister die leidenden Hände verbinden.
In die Haushaltung kehrt irgendwann auch der junge Jean Renoir (Vincent Rottiers), ein weiterer Sohn des Malers, kriegsverletzt zum Genesungsurlaub zurück. Zwischen ihm und Andrйe beginnt eine langsame Annäherung, immer unter dem Blick des großen Vaters. „Er malt mich immer zu dick“, sagt sie. „Mich malt er immer als Mädchen“, antwortet er.
Wer die Bilder Renoirs von Andrйe Heuschling und von seinem Sohn Jean kennt, weiß, was gemeint ist – so, wie man vieles an der Geschichte nur versteht, wenn man auch weiß, worum es jenseits dieses kurzen Sommers, den der Film zeigt, geht: Andrйe wird später Muse nicht mehr des Vaters, sondern des Sohnes sein, die Stummfilmschauspielerin Catherine Hessling, erste Ehefrau von Jean Renoir, einem Pionier des französischen Films und später erfolgreicher Regisseur auch in Hollywood, 1975 mit dem Oscar für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Es ist nicht nur die verlorene Stimmung einer Welt hinter dem Krieg, sondern auch der Stabwechsel der Generationen in der Moderne, der Übergang von der Malerei zum Film, den die Kamera hier in prachtvollen, sinnlichen Farben einfängt und in hell leuchtenden Bildern malt.

Text: Catherine Newmark

Foto: Arsenal Filmverleih

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Renoir“ im Kino in Berlin

Renoir, Frankreich 2012; Regie: Gilles Bourdos; Darsteller: Michel Bouquet (Auguste Renoir), Christa Theret (Andrйe Heuschling), Vincent Rottiers (Jean Renoir); 112 Minuten; FSK 0

Kinostart: 7. Februar

Mehr über Cookies erfahren