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Im Kino: „Robot & Frank“

Robot & Frank

Die Vergänglichkeit ist ein Verhängnis. Im Alter geht die Reduktion der Aktivität häufig einher mit Vereinsamung und der Verminderung geistiger Fähigkeiten. Gewohnheiten und Automatismen bestimmen den Alltag. So lebt Frank, einst ein brillanter Diamantendieb, nach insgesamt 16 Jahren Haft allein in seinem Haus vor sich hin. Er verliert langsam das Gedächtnis, sein Haushalt verwahrlost. Deshalb drängt ihm sein Sohn eine Pflegekraft in Gestalt eines sprechenden Roboters auf, der kochen, putzen und Frank umsorgen soll. Vor die Wahl gestellt, andernfalls in ein Heim verbannt zu werden, willigt Frank widerstrebend ein – und entdeckt alsbald ungeahnte Einsatzmöglichkeiten des gelehrigen Dienstautomaten: Der Meisterdieb bringt dem maschinellen Gesellen das Einbrecherhandwerk bei und plant mit dessen Elek­tronenhirn einen Juwelenraub. Bei einem Probediebstahl soll eine antiquarische „Don Quijote“-Ausgabe „gerettet“ werden. So wird im Film angedeutet, dass eine gewisse Analogie zwischen der Partnerschaft des verschrobenen alten Ritters mit seinem Knappen und der von Frank mit seinem Gehilfen besteht. Zudem wird damit eine Lanze für Bibliophile gebrochen: Der Foliant steht in einer Bibliothek, in der die Bücher entsorgt und durch gescannte Texte ersetzt werden. Bevor Frank senil und Robots Memory-Speicher gelöscht wird (noch eine Analogie), ist es äußerst vergnüglich anzusehen, wie der vor allem als Theaterstar gefeierte Frank Langella in einer Paraderolle (auch Nebenrollen sind mit Susan Sarandon und Liv Tyler prominent besetzt) noch einmal zu neuer Tatkraft aufblüht und über einen arroganten Yuppie-Schnösel triumphiert, der eine modernistische Generation verkörpert, die kaum Achtung vor dem Alter hat und fortschrittsversessen in immer schnellerer Folge neue technische Errungenschaften hervorbringt. Noch vor 20 Jahren waren Smartphones Science-Fiction. Gut möglich, dass junge Menschen von heute im Alter von Robotern versorgt werden.

Text: Ralph Umard

Foto: Senator Film Verleih

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Robot & Frank“ im Kino in Berlin

Robot & Frank, USA 2012; Regie: Jake Schreier; Darsteller: Frank Langella (Frank), James Marsden (Hunter), Susan Sarandon (Jennifer); 89 Minuten; FSK 0

Kinostart: 25. Oktober

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