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Im Kino: „Ruhr“ von James Benning

Ruhr

Ein ungläubiges Raunen ging durch die Gemeinde der Cinephilen, als sich die Nachricht verbreitete, dass James Benning nach 40 Jahren die für seine Filme charakteristische 16mm-Bolex durch eine digitale HD-Kamera austausche. Benning goes digital? Was wird das werden? Nun ist Bennings digitale Premiere im Kino zu sehen.
Für „Ruhr“ hat er zum ersten Mal außerhalb der USA Bilder und Töne aufgenommen. Aufgeteilt in zwei Kapitel – mit sechs Einstellungen im ersten und einer einzigen, 60 Minuten langen im zweiten Teil – zeigt der Film eine persönliche Vision des Ruhrgebiets. Der „direkte“ Realitätsbezug, den Bennings Filme bisher auszumachen schien, wird mit „Ruhr“ radikal neu definiert. Die meist menschenleeren Bilder, die Tunnel, Werkshallen, Äste und Straßen zeigen, erhalten durch unmerkliche Licht-, Ton- und Zeitmanipulationen ungeahnte mentale Signaturen. Bennings Blick auf eine de-industrialisierte Region, die weiterhin von Zeichen und Spuren der Schwerindustrie geprägt ist, ist nicht nur aufgrund der letzten 60-Minuten-Einstellung auf einen Kühlturm eine der spannendsten Herausforderungen des aktuellen Kinos.

Text: Michael Baute

tip-Bewertung: Herausragend

Orte und Zeiten: „Ruhr“ im Kino in Berlin

Ruhr, Deutschland 2009; Regie: James Benning; 120 Minuten

Kinostart: 26. August

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