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Im Kino: „Runner Runner“

Eine Binsenweisheit besagt, dass die Bank beim Glücksspiel immer gewinnt. Das gilt natürlich ebenso für Unternehmen, die Pokerrunden im Internet organisieren und Teilnahmegebühren kassieren. Während die traditionsreiche Spielerhochburg Las Vegas jährliche Einnahmen von circa sechs Milliarden Dollar verzeichnet, sollen die Poker-Profite der in Malta, Dubai, Zentralamerika oder der Karibik ansässigen Internet-Casinos rund 30 Milliarden betragen – genau ist das bei Offshore-Steueroasen nicht nachzuprüfen. In „Runner Runner“ (der Ausdruck aus einer texanischen Pokerspielvariante bezeichnet zwei nacheinander aufgedeckte, gewinnbringende Karten) geht es um illegale Praktiken beim Online Gambling; mittels komplexer Algorithmen werden Pokerspiele mathematisch manipuliert.
Reich oder superreich – das ist die Frage, die sich dem Helden dieses zeit- und moralkritischen Dramas stellt. Wie schon sein Vater ist Ritchie Furst (Justin Timberlake) ein passionierter Zocker, mit Pokergewinnen per Mausklick will der smarte Sohn sein Ökonomie-Studium an der teuren Elite-Uni Princeton in New Jersey finanzieren. Als er vom zwielichtigen Internet-Casino-Betreiber Ivan Block (Ben Affleck) das Angebot bekommt, sogleich als Führungskraft in dessen extrem lukratives Glücksspielgeschäft einzusteigen, anstatt weiter eine Karriere als Marketing-Berater oder Börsenmakler anzustreben, siegt die Gier über die Vernunft: Der junge Mann wählt das schnelle Geld und ein Leben im Luxus mit verführerischen Latinas in der Tropenrepublik Costa Rica, dem Unternehmenssitz von Blocks Internet-Poker-Imperium. Eine Entscheidung, die Furst bald bereut, als er den wahren, kriminell-egomanen Charakter seines weltmännisch und charmant auftretenden Chefs kennenlernt, der seinen Assistenten zu lebensbedrohlichen Schmiergeldbotendiensten und Erpressungsaktionen verleitet. Als Furst auch noch von rabiaten FBI-Agenten, korrupten Polizisten und Gangstern brutal in die Mangel genommen wird, geht es nicht mehr um die Frage des Reichtums, sondern um Sein oder Nichtsein.

Text: Ralph Umard

Foto: Twentieth Century Fox 2013

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Runner Runner“ im Kino in Berlin

Runner Runner , USA 2013; Regie: Brad Furman; Darsteller: Justin Timberlake (Richie Furst), Gemma Arterton (Rebecca Shafran), Anthony Mackie (Shavers); 91 Minuten; FSK 12

Kinostart: 17. Oktober

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