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Im Kino: „Sascha“

Sascha

Eigelstein ist in Köln ungefähr, wofür in Berlin Neukölln steht. In dem leicht ranzigen Multi­kulti-Kiez zapfen Serben oder Bosnier Kölsch für ihre deutschen Stammgäste; nach Dekaden des Zusammenlebens haben sich Zugewanderte und Alteingesessene zumindest äußerlich angeglichen: samt Feinripp-Look, Trainingsanzug und Wampenansatz.
Ein solches Exemplar ist Kneipenwirt Vlado, der zu Beginn von „Sascha“ am Steuer eines alten Mercedes die Familie aus dem Montenegro-Urlaub heimfährt.
Jungregisseur Dennis Todorovic, der auch das Buch zu „Sascha“ schrieb, malt in seinem Debütfilm den Patriarchen lebhaft aus, als beherzten Macho der aufbrausenden Art. Nachvollziehbar, dass die sensible Hauptfigur – der ältere Sohn Sascha (Saљa Kekez) – es für sich behält, dass er schwul ist. Heimlich verzehrt er sich nach seinem Klavierlehrer (Tim Bergmann), einem athletischen Feingeist. Der Extremkontrast zwischen den Welten dient dem Film als reicher Erzählboden für eine Reihe weiterer Geschichten neben dem Hauptstrang um die Emanzipation von einem Alphatier.
Todorovic spielt oft bemerkenswertes Talent für eine Art Balkanproll-Komik aus, wie man sie von Emir Kusturica oder Fatih Akin kennt. Dabei gelingt aber nicht immer der Brückenschlag zurück in die feinstofflichen inneren Nöte des Titelhelden. Jungdarsteller Kekez spielt ihn denn auch am befreitesten abseits der Sippe. Wenn der Junge in Kölns schwule Sphäre eintaucht, wenn er an der Seite des bewunderten Lehrers ist oder im Schwimmbad auf heimlichem Beobachterposten, fühlt man sich fast wie in einem anderen Film.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Sascha“ im Kino in Berlin

Sascha, Deutschland 2010; Regie: Dennis Todorovic; Darsteller: Saљa Kekez (Sascha), Tim Bergmann (Gebhard), Pedja Bjelac (Vlado); 101 Minuten; FSK 12

Kinostart: 24. März

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