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Im Kino: „Schimpansen“

Schimpansen

Klar, irgendwie müssen sich die für das Kino konzipierten Naturdokumentationen vom TV-Überangebot des Genres absetzen. Manche Filme versuchen es beispielsweise mit einer Überwältigung des Zuschauers, mit Bildern, die in ihrer Aneinanderreihung von spektakulären Höhepunkten einer unguten Hochleistungsshow ähneln. Oder man macht es wie die Regisseure Alastair Fothergill und Mark Linfield in „Schimpansen“ und sucht das menschliche Drama im tierischen Verhalten. Doch spätestens, wenn das Schimpansenkind zum „Babyboy Oscar“ wird und den Tieren ohne weitere Erklärung Regungen wie Freude und Traurigkeit zugeschrieben werden, ist man im Reich der Produktionsfirma Disney angelangt, wo man sich mit der Vermenschlichung von Tieren bekanntlich bestens auskennt. Auch die Story um das Affenkind, das seine Mutter verliert und schließlich vom Alphamännchen seiner Gruppe erfolgreich adoptiert wird, atmet den Geist der Rührseligkeit­ – ohne Tränchen beim Happy End soll hier nämlich niemand aus dem Kino gehen. Dabei hätte der Film das gar nicht nötig: Die exzellenten Aufnahmen vom Verhalten der Schimpansen, etwa ihr Werkzeuggebrauch beim Nüsseknacken und die Jagd auf andere Affen, entwickeln ihre Faszination auch ohne konstruierte Geschichten um süße Tierkinder.

Text: Lars Penning

Foto: Disney

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Schimpansen“ im Kino in Berlin

Schimpansen (Chimpanzee), Kanada 2012; Regie: Alastair Fothergill, Mark Linfield; 78 Minuten; FSK 0

Kinostart: 9. Mai

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