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Im Kino: „Schock Labyrinth 3D“

Ein Gruselfilm in 3D, der im Geisterhaus eines Vergnügungsparks spielt, gedreht von Takashi Shimizu, einer der Schlüsselfiguren des sogenannten J-Horror – was soll schief gehen?
So denkt man, und erinnert sich wohlig schaudernd oder Angst erfüllt an den bösen kleinen Buben, den Shimizu in „Ju-On“ unter der Bettdecke seiner von bösen Geistern verfolgten Heldin versteckte. Abgesehen davon, dass das Film-Konglomerat „Ju-On“/“The Grudge“ (vier japanische, zwei US-amerikanische Filme/Sequels/Remakes) immer wieder die gleiche, ziemlich dünne Geschichte erzählte, ist an ihm unter Genre-Gesichtspunkten nichts auszusetzen. Denn ähnlich wie sein älterer Kollege Kurosawa Kiyoshi beherrscht auch Shimizu die hohe Kunst, mittels subkutaner Ton-, Musik- und Kameraführung eine Atmosphäre umfassenden Grauens zu erzeugen, um sodann das solcherart gebannte Publikum weiter das Fürchten zu lehren.
Umso größer ist die Enttäuschung angesichts von „Schock Labyrinth 3D“. Die Möglich­keiten des Handlungsortes — Senritsu Meikyu, das in einem Vergnügungspark am Berg Fuji gelegene größte Geisterhaus der Welt — bleiben weitestgehend un­genutzt. Die Geschichte ist nicht nur dünn, sondern bestenfalls fragmentarisch, dafür aber ungeheuer umständlich erzählt. Sie kreist um eine Gruppe Kinder, die sich ins Geisterhaus schleichen. Eines der dabei zurück gelassenen Kinder taucht zehn Jahre später plötzlich wieder auf und lädt zur Durcharbeitung des traumatischen Ereignisses an denselben Ort.
Mangels schauspielerischen Einsatzes ist das handelnde Personal von den herumstehenden Geisterhausfiguren oftmals nicht zu unterscheiden. Auch die 3D-Effekte, die recht charmant an Papiertheaterversionen klassischer japanischer Farbholzschnitte erinnern, verursachen nicht eben Gänsehaut. Der mit dem angesagten 3D-Gimmick werbende Film funktioniert selbst wie die Attraktion, in der er sich zuträgt: mit Hilfe sinnfreier Thrills und durchsichtiger Tricks,  die so auf einer Ebene mehr an den Geburtsort des Kinos als Jahrmarktsspektakel zurückführen. Dass „Schock Labyrinth 3D“ implodiert, liegt also letztlich in der Natur der Sache.

Text: Alexandra Seitz

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Schock Labyrinth 3D“ im Kino in Berlin

Schock Labyrinth 3D (Senritsu meikyu 3D), Japan 2009; Regie: Takashi Shimizu; Darsteller: Yuya Yagira (Ken), Misako Renbutsu (Yuki), Ryo Katsuji (Motoki); Farbe, 89 Minuten

Kinostart: 13. Mai

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