Kino & Stream

Im Kino: „Searching for Sugar Man“

Searching For Sugar Man

Eigentlich denkt man die ganze Zeit, das könne alles niemals so gewesen sein, irgendjemand müsse sich diese Story als Teil einer überzeugenden Fake-Dokumentation ausgedacht haben. Doch die Geschichte der Karriere des amerikanischen Sängers Sixto Rodriguez ist tatsächlich wahr.
Anfang der 1970er-Jahre veröffentlichte der 1942 in Detroit als Sohn mexikanischer Immigranten geborene Musiker die beiden Platten „Cold Fact“ und „Coming from Reality“: zwei klasse Alben im Singer-Songwriter-Stil, Pop mit Tiefgang. Aber die Platten floppten, und Rodriguez verschwand in der Versenkung. Allerdings begann sein Album „Cold Fact“ ein Eigenleben zu führen, und zwar im Apartheid-Staat Südafrika, wo Rodriguez, ohne dass er das mitbekommen hätte, zu einem Helden jener weißen Südafrikaner wurde, die einen liberalen Wandel wünschten. Hier kam sein Anti-Establishment-Protest mit Drogenreferenzen und dem zugleich klaren Blick für die soziale Realität an, hier war er so bekannt und beliebt wie die Beatles. Da aber niemand wirklich etwas über ihn wusste, setzte die Legendenbildung ein. Am Ende hielt man ihn für tot, angeblich hatte er auf offener Bühne Selbstmord begangen.
Hatte er natürlich nicht, wie ein Plattenladenbesitzer und ein Musikjournalist aus Südafrika herausfanden, als sie Mitte der 1990er-Jahre die Geschichte von Rodriguez recherchierten und den Maestro schließlich sogar in Detroit ans Telefon bekamen, wo er all die Jahre bescheiden als Restaurateur und Bauarbeiter gelebt hatte. Ein spätes Happyend mit umjubelten Konzerten in Südafrika folgte. Die Dokumentation „Searching for Sugar Man“ des schwedischen Regisseurs Malik Bendjelloul vollzieht diese Suche spannend, amüsant und auch anrührend noch einmal nach, erzählt dabei ein Stück südafrikanischer Kulturgeschichte und macht den Helden filmgerecht vielleicht noch etwas mythischer, als er tatsächlich ist. Denn Sixto Rodriguez erweist sich als absolut bodenständiger Mann, der seine intellektuellen und sozialen Neigungen über all die Jahre nicht vernachlässigt hat und mit seinem damaligen Nicht-Erfolg ebenso selbstverständlich umzugehen weiß wie mit dem plötzlich wiedererwachten Interesse an seiner Person und seiner Musik. Und vor allem letztere ist eine Entdeckung, die sich unbedingt lohnt.

Text: Lars Penning

Foto: Rapid Eye Movies Filmverleih

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Searching For Sugar Man“ im Kino in Berlin

Searching For Sugar Man, Schweden/Großbritannien 2012; Regie: Malik Bendjelloul; 86 Minuten; FSK 0

Kinostart: 27. Dezember

Mehr über Cookies erfahren