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Im Kino: „Seelen“

Seelen

Nach vier „Twilight“-Romanen hat sich Autorin Stephenie Meyer einem neuen Stoff gewidmet: „Seelen“ heißt der Wälzer, der zunächst ganz anders klingt als ihre Vampir-Saga: Aliens haben die Körper der meisten Menschen übernommen. Nur wenige Flüchtige sind entwischt, um nicht als Wirte für die amorphe Tentakel-Spezies – „Seelen“ – zu enden.
Doch das „Bodysnatcher“-Thema greift Meyer mit Samthandschuhen an: Die Seelen sind so wenig boshaft wie Blutsauger Edward aus „Twilight“. Ihre Welt ist ein Utopia von Friedlichkeit und edler Technomodernität. Vor allem dieser Aspekt scheint Regisseur Andrew Niccol gereizt zu haben, der seit seinem Kultdebüt „Gattaca“ als Spezialist für Sci-Fi-Szenarien gilt, ohne dass er aber je an seinen Erstling hätte anknüpfen können. Er malt die Seelen-Welt als neusachliche Standlandschaft mit reduzierten, Apple-artigen Interieurs und weißgewandeten Designerwesen aus.
SeelenZu Beginn wird das Mädchen Melanie (Saoirse Ronan) von Suchern gefangen genommen und zur Wirtin einer Seele gemacht: Doch die gutwillige alte Seele namens „The Wanderer“ kann Melanie nicht zum Verschwinden bringen – so stark ist deren Liebe zu ihrem Freund, dem kleinen Bruder und dem Onkel. So verbünden sich die beiden und finden Melanies Sippe bald in einem unterirdischen Hi-Tech-Höhlenversteck im roten Wüstensand Arizonas. Als eine Art „bad cop“ ist ihnen derweil die Seele Diane Kruger auf den Fersen. Doch die Jagd büßt schnell an Fahrt ein, sobald die Story in ihrem eigentlichen Element ist: der Lovestory, die sich um die junge Frau mit der Doppelseele entspinnt, um die gleich zwei Männer buhlen. Wie kann „Wanderer“ – Rufname: „Wanda“ – aber ihren Ian lieben, ohne dass Melanie dazwischenfunkt? Und gibt es ein Wiedersehen zwischen der gekaperten Melanie und ihrem Jared?
Solche Zwiespälte werden wortreich in Form eines inneren Dialogs der Protagonistin ausgefochten. Und hier ist die Geschichte doch wieder dicht am Thema der „Twilight“-Klientel: ein keusches Liebesdreieck um ein schönes Mädchen. Dem Film ist freilich anzumerken, dass Regisseur Niccols Leidenschaft mehr dem Sci-Fi-Genre gilt als einer mädchenhaften Liebesgeschichte. Die Gefühle der Hauptfiguren machen sich vor allem in bleiernen Sätzen bemerkbar, nicht aber in lebendiger Charakterzeichnung: Insbesondere das Männerdoppel wirkt in seiner Regelmäßigkeit wenig unterscheidbar; selbst die interessante Saoirse
Ronan
(„Abbitte“, „Wer ist Hanna?“) wirkt eingeschränkt mit ihrer kniffeligen Aufgabe, weite Teile des Textbuches stumm als inneren Dialog umzusetzen. Am Ende stellt sich als spannendste Frage nicht, ob die Menschen sich ihrer Besatzer werden entledigen können, sondern wie Melanie und Wanda ihr romantisches Dilemma gelöst bekommen. Die Auflösung kommt nicht ohne unfreiwillige Komik daher. Doch sie löst verlässlich ein, was das junge Zielpublikum von einem solchen Film erwartet.

Text: Ulrike Rechel

Fotos: 2013 Concorde Filmverleih GmbH

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Seelen“ im Kino in Berlin

Seelen (The Host), USA 2013; Regie: Andrew Niccol; Darsteller: Saoirse Ronan (Melanie Stryder/ Wanda), Max Irons (Jared Howe), Diane Kruger (Sucherin); 125 Minuten; FSK 12

Kinostart: 13. Juni 2013

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