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Im Kino: „Seht mich verschwinden“

Seht mich verschwinden

Als Isabelle Caro im November 2010 stirbt, bringt sie weniger auf die Waage als jene 32 Kilo, mit denen sie sich drei Jahre zuvor für die „No Anorexia“-Kampagne eines italienischen Modelabels hatte fotografieren lassen. Nackt, wohlgemerkt. Das Foto löste einen Skandal aus, den Caro zu nutzen wusste, um die Öffentlichkeit über die Gefahren der Magersucht aufzuklären. Oder sie zu eigenem kommerziellen Vorteil zu manipulieren? Und dabei zugleich von dieser ausgenutzt zu werden?
Die Verhältnisse zwischen erlogenen Gründen und wahren Motiven im Leben dieser öffentlich verhungernden Frau sind kompliziert, und Kiki Allgeiers Dokumentation trägt zu ihrer Erhellung so gut wie nichts bei. Stattdessen wiederholt „Seht mich verschwinden“ lediglich jenen voyeuristischen Blick aus Faszination und Abstoßung, dem Caro am Ende im Alter von 28 Jahren als wandelndes Skelett zum Opfer fiel. Ein weiterer Akt der Ausbeutung – einer Toten zumal – und als solcher eine Zumutung.

Text: Alexandra Seitz

Foto: Kiki Allgeier / Farbfilm Verleih

Orte und Zeiten: „Seht mich verschwinden“ im Kino in Berlin

Seht mich verschwinden (Femmefille), Deutschland/Frankreich/Italien 2014; Regie: Kiki Allgeier; 87 Minuten

Kinostart: Do, 02. Juli 2015

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