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Im Kino: „Senna“

Senna

Ayrton Senna war der populärste Automobilrennsportler der Ära vor Michael Schumacher: Von 1984 bis zu seinem vermutlich auf technisches Versagen zurückzuführenden Unfalltod auf der Strecke von Imola im Jahr 1994 fuhr der Brasilianer in der Formel 1, gewann dabei drei Weltmeisterschaften und avancierte in seinem Heimatland zum Volkshelden. Es waren Jahre,  die von der spannenden Auseinandersetzung dreier Fahrer mit sehr unterschiedlichem Charakter geprägt waren: Den Franzosen Alain Prost, der zeitweilig gemeinsam mit Senna im McLaren-Team beschäftigt war und insgesamt vier Weltmeisterschaften gewann, betitelte man seinerzeit nicht von ungefähr als „Professor“. Sennas Hauptrivale fuhr materialschonend und im Zweifelsfall taktisch, zudem kannte er sich gut mit allen Feinheiten der Motorsportpolitik aus. Der Brite Nigel Mansell hingegen galt als Beißer, als einer, der niemals aufgab und den man nie zu früh abschreiben durfte. Die schillerndste Figur aber war Senna, vor allem, weil er sich beim Besteigen eines Rennautos zu verwandeln schien: Abseits der Rennstrecke ein zurückhaltender, intelligenter und sympathischer Mensch, schien er sich im Cockpit des Risikos für sich selbst und andere kaum mehr bewusst zu sein.
Ebenso talentiert wie ehrgeizig schonte er weder sich noch das Material und machte sich mit seinem kompromisslosen Fahrstil nicht nur Freunde. Im Rennauto befand sich Senna in einer anderen Welt, und es ist der Verdienst des britischen Regisseurs Asif Kapadia, dies in seiner Dokumentation „Senna“, die jenseits von Fragen nach dem Privatleben allein die Karriere des Rennsportidols ungeheuer spannend nachzeichnet, schlüssig zu verdeutlichen: Die Bilder aus der Pilotenperspektive erzeugen dabei einen so ungeheuren Sog, dass man tatsächlich begreift, wie Senna, als er 1988 beim Rennen auf dem engen Stadtkurs von Monaco meilenweit in Führung liegend das Auto völlig unbedrängt in eine Begrenzungsmauer setzte, einen Bewusstseinszustand erreichen konnte, der beim Rennfahren eher hinderlich ist. Einen wie Senna hat es im Rennsport nicht wieder gegeben, das zeigt diese schöne Dokumenta­tion – auch in den raren Aufnahmen von Fahrer-Meetings mit dem
damaligen FIA-Präsidenten Jean-Marie Balestre. Politik, irgendwo zwischen unheiligen Allianzen und dubiosen Regelauslegungen, war Sennas Sache nicht. Für ihn zählte nur: Mann gegen Mann, Auto gegen Auto.

Text: Lars Penning

Foto: Karin Sturn

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Senna“ im Kino in Berlin

Senna, Großbritannien 2010; Regie: Asif Kapadia; 104 Minuten; FSK 6

Kinostart: 12. Mai

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