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Im Kino: „Sex And The City 2“

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Wie jeder solide Genrefilm spielt auch „Sex and the City 2“ skrupellos auf der Klaviatur der Zuschauergefühle, von Empathie und Identifikation bis zu Voyeurismus und gepflegtem Fremdschämen. Erleichtert wird dieses Nebeneinander durch das Protagonistinnenquartett mit seiner scharf gestochenen Typisierung – die mondäne, ironische Kolumnistin Carrie, die handfeste Karriereanwältin Miranda, die naive Romantikerin Charlotte und die sexhungrige PR-Agentin Samantha. Mit 52 ist sie die älteste, und während die anderen sich mit Ehe, Kindern und Job herumplagen, hat sie der Biologie den Kampf angesagt und ihren Körper biopharmazeutisch aufgerüstet: „Wenn ihr fünfzig seid, bin ich 35!“

Samanthas menopausalen Umtriebigkeit verdanken die Damen auch einen voll finanzierten Trip ins orientalische Märchenreich eines Scheichs, dessen Luxushotel in Abu Dhabi dann die Bühne liefert für emotionale Inventuren, die im kleinteilig verplanten New Yorker Leben keinen Platz mehr finden. Doch bei allen mit Bedacht platzierten Tiefgründeleien über Körperkult und Mutterrolle will auch das Sequel vor allem eines sein: Spaß für (inzwischen etwas reifere) Mädels. Wie schon beim Vorgänger huldigt „Sex and the City 2“ einem glorreichen Ausstattungsfetischismus, bei dem allein der Blick ins Badezimmerregal Material für einen kultursemiotischen Essay liefert und Exzess und Extravaganz als stilistisches Prinzip auftreten, von der schwulen Hochzeit am Anfang bis zur New Yorker Filmpremiere am Ende. Authentisch ist hier nur der Griff nach dem Kosmetikkoffer.

Text: Stella Donata Haag

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Sex and the City 2“ im Kino in Berlin

Sex and the City 2 USA 2010; Regie: Michael Patrick King; Darsteller: Sarah Jessica Parker (Carrie Bradshaw), Kim Cattrall (Samantha Jones), Kristin Davis (Charlotte York)

Kinostart: 27. Mai

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