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Im Kino: „Sibylle“

Im Kino:

Bei einem ihrer Morgenspaziergänge begegnet Sibylle ihrer Doppelgängerin. Beziehungsweise begegnet sie einer Frau, die ihr zum Verwechseln ähnlich sieht. Sibylle fällt das gar nicht auf; dass die Frau sich, nachdem sie an ihr vorbei gegangen ist, die Steilküste hinunterstürzt, bekommt sie dann aber mit. Der Italienurlaub ist verdorben. Und auch zurück in München will im Leben der erfolgreichen Architektin nichts mehr so werden, wie es vorher war: Sohn Luca beginnt plötzlich zu fremdeln, Sohn David schaut SM-Pornos und will unbedingt in einer Muckibude trainieren, Mann und Kollege Jan setzt sich mit einem Projektauftrag nach Südamerika ab – und dann ist da noch das beunruhigende Gefühl, beobachtet zu werden.
Das ehrwürdige Motiv des Doppelgängers, seit der Schwarzen Romantik ein Mittel des Unheimlichen, der Zuspitzung und schließlich der Katharsis, wendet Michael Krummenacher in seinem Psychothriller auf das Porträt einer modernen Frau an, die Mann, Kinder und Karriere unter einen Hut gebracht hat. So zumindest scheint es, bis der Vorfall im Urlaub das Konstrukt zum Einsturz bringt. Womit unnötigerweise einmal mehr bewiesen wäre, dass Familie und Beruf im Leben einer Frau nicht zusammengehen. Über diesen konservativen Kern können weder Anne Ratte-Polles sehenswertes Spiel noch Krummenachers geschmeidige Inszenierung hinwegtäuschen.

Text: Alexandra Seitz

Foto: eksystent distribution filmverleih

Orte und Zeiten:
Sibylle

Sibylle D 2015, 87 Min., R: Michael Krummenacher; D: Anne Ratte-Polle, Thomas Loibl, Dennis Kamitz

Kinostart: Do, 4. Februar 2016

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