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Im Kino: „Sisters“

Im Kino:

Per Skype erfährt die erfolgreiche, alleinstehende Maura Ellis (Amy Poehler) von ihren Eltern, dass sie im Begriff sind, das Haus zu verkaufen, in dem sie ihre Jugend verbracht hat. Sie fliegt sofort hin und kommt dabei nicht umhin, auch ihre Schwester Kate (Tina Fey) einzuweihen, der man alles schonend beibringen muss, weil sie ihr Leben nicht gerade perfekt auf der Reihe hat. Das Haus ist eines dieser typisch amerikanischen Eigenheime in einem perfekt getrimmten, immer sonnigen Vorort, wo man sich für die Rasenpflege mindestens so große Komplimente macht wie für den perfekt modellierten Waschbrettbauch. Wobei dieses spezielle Kompliment schon Teil der Geschichte von „Sisters“ ist, einer Komödie, in der Jason Moore die beiden Starkomikerinnen vor allem mit losem Mundwerk auf Pointenjagd gehen lässt.
Amy Poehler wurde mit der Serie „Parks and Recreation“ groß, Tina Fey mit „30 Rock“, beide kommen aus der elitären Gagschule „Saturday Night Live“. In „Sisters“ geht es unverhohlen auch um ein Weiblichkeitsideal, das eine Balance findet zwischen dem Etepetete von Maura und dem Chaos von Kate. Die hat eine Tochter, die ihre verantwortungslose Mutter gründlich satt hat, einem Leben in Florida gegenüber aber grundsätzlich aufgeschlossen ist. „Sisters“ hat nicht die überragende Schärfe etwa von „Brautalarm“, mischt in den alltäglichen Surrealismus aber eine Menge wunderbar aufsässiger Pointen, und man kann zwei praktizierenden Feministinnen dabei zusehen, wie sie mit viel Genuss an ihrer Agenda arbeiten. Toll sind übrigens nicht zuletzt die Eltern. James Brolin und Dianne Wiest  zeigen, was von den Wohlstandsrentern der näheren Zukunft zu erwarten ist: Postmaterialismus und neue Sinnlichkeit (und auch ein wenig Spinnerei).    

Text: Bert Rebhandl

Foto: Universal Pictures

Orte und Zeiten: Sisters

Sisters (OT) USA 2015; R: Jason Moore; D: Amy Poehler (Maura Ellis), Tina Fey (Kate Ellis), Maya Rudolph (Brinda); 118 Min.

Kinostart: Do, 11. Februar 2016

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