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Im Kino: „Small World“

Small World

Die clevere Plotkonstruktion von „Small World“, der Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Martin Suter, findet sich bereits in der Romanvorlage: Konrad, ein von seiner ehemaligen Ziehfamilie auf einen Hausmeisterposten abgeschobener Frühsechziger, erkrankt an Demenz. Während sich die jüngste Vergangenheit ihm nun entzieht, erinnert er sich hingegen immer weiter in seine Kindheit zurück. Und das ruft die bourgeoise Familienmatriarchin auf den Plan, denn offenbar gibt es etwas in Konrads Kindheit, an das er sich auf keinen Fall erinnern soll.
Der französische Regisseur Bruno Chiche hat aus dieser Geschichte ein sehr gediegenes Panorama der Verwerfungen eines verdorbenen Großbürgertums entwickelt – man fühlt sich ein wenig an Chabrol erinnert, dessen sardonischer Humor hier allerdings fehlt. Was es stattdessen im Übermaß gibt, ist Gйrard Depardieu als Konrad: ein völlig aus der Zeit gefallener Schauspieler, in seiner immer ein wenig überdeutlichen Präsenz allenfalls vergleichbar mit den großen Stars der Stummfilmära. Bewahrt hat sich der immer umfangreichere Depardieu allerdings einen jungenhaften Charme, den er in der Rolle des kindischen Demenzkranken denn auch reichlich zur Anwendung bringt.

Text: Lars Penning

Foto: Magali Bragard

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Small World“ im Kino in Berlin

Small World, Deutschland/Frankreich 2010; Regie: Bruno Chiche; Darsteller: Gйrard Depardieu (Konrad Lang), Alexandra Maria Lara (Simone), Françoise Fabian (Elvira Senn); 93 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 16. Dezember

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