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Im Kino: „Splice“ und „The Crazies“

The_CraziesDas Genre-Kino bringt sich derzeit mit Remakes selbst auf den neusten Stand. Die Gründe für das Grauen sind stets hausgemacht. In „The Crazies“ gerät eine Tollwut-Biowaffe in das Trinkwasser einer amerikanischen Kleinstadt und verwandelt friedfertige Einwohner in verrückte Killer. Die Nationalgarde setzt die Gegend unter Quarantäne und beginnt die Infizierten auszulöschen. „The Crazies“ ist das Remake des 1973 unter der Regie von Zombie-Vater George A. Romero entstandenen Billig-Horrorfilms. Der unterzog damals die Zombie-Motive seines Meilensteins „Night of the Living Dead“ einem Reality-Check. Jetzt gibt er im Interview pragmatisch zu Protokoll, dass er mit dem Remake seines Seuchen-Klassikers wenig anfangen kann. Dabei muss er sich für die von Breck Eisner inszenierte Neuverfilmung wahrlich nicht schämen. In der realitätsnahen Horrorvision geht es härter zur Sache, und die beunruhigende Idee des Films hat nichts von ihrer Aktualität verloren.

Während Romero mit 70 Jahren noch immer unter Sparzwang leidende Produktionen wie „Survival of the Dead“ dreht, feiern aufstrebende Regisseure wie Eisner oder Zack Snyder mit anständig budgetierten Remakes von „The Crazies“ und „Dawn of the Dead“ kommerzielle Erfolge. Hier hat ein Generationswechsel stattgefunden, dem Altmeister Romero zwangsläufig zähneknirschend gegenüberstehen muss. „Splice“ ist eigentlich kein Remake, fühlt sich aber an wie ein Remix von „Species“ und David Cronenbergs grobem Frühwerk „Rabid“. Das nerdige Wissenschaftlerpärchen Clive und Elsa brütet im Rahmen eines Genforschungsprojektes im Labor ein Mischwesen aus Mensch und Tier aus. „Dren“ (Nerd rückwärts) nennen sie ihren Hybriden, der erst wie eine Kreuzung aus nacktem Karnickel und gerupftem Huhn und später wie ein Mischling aus Känguru und Top-Model aussieht. So verführerisch gar, dass Clive sich schon bald mit Dren im Heu wälzt und den Ehefrieden gefährdet.

SPLICEDie Wirkung von „Splice“ hängt entscheidend von der Glaubwürdigkeit des Monsters ab. Ohne emotionale Bindung zu den Protagonisten und der Kreatur funktioniert so ein Film nicht. Deshalb haben die Spezial-Effekt-Zauberer Howard Berger und Greg Nicotero die Schauspielerin Delphine Chanйac mit animalischen Prothesen verschönert. Das Effekt-Studio C.O.R.E. steuerte die transmenschlich digitalen Körperveränderungen von Dren bei. Auch formal handelt es sich bei Dren also um einen Zwitter aus Latex und Pixeln. Hat man alles schon mal gesehen, macht aber Spaß und unterfordert auch intellektuell nicht.

Text: Jörg Buttgereit

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Splice“ und „The Crazies“ im Kino in Berlin

Splice Kanada/Frankreich/USA 2009; Regie: Vincenzo Natali; Darsteller: Adrien Brody (Clive Nicoli), Sarah Polley (Elsa Kast), Delphine Chanйac (Dren); 108 Minuten; Kinostart: 3. Juni

The Crazies USA 2010; Regie: Breck Eisner; Darsteller: Timothy Olyphant (David Dutton), Radha Mitchell (Judy Dutten), Joe Anderson (Russell Clank); 101 Minuten; Kinostart: 27. Mai

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