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Im Kino: „Star Trek Into Darkness“

Star Trek Into Darkness

Es gibt zweifellos leichtere Jobs, als einen Jahrzehnte alten Kultstoff neu zu starten. Das weiß kaum jemand besser als Jeffrey Jacob „J.J.“ Abrams, der 2009 mit neuer Besetzung und frischem Wind die Popkultur-Ikone „Star Trek“ wiederbelebt hat. Der Film war ein Erfolg beim Publikum und bei der Kritik, doch nicht alle waren zufrieden: Ein harter Kern von Trekkies protestiert bis heute lautstark gegen Abrams‘ neues Personal und seine alternative Star-Trek-Geschichtsschreibung. „Es ist nicht möglich, alle glücklich zu machen“, erklärt Abrams freundlich, aber auch leicht zerknirscht.
Vier Jahre nach seinem Raumschiff-Reboot legt Abrams nun die Fortsetzung „Star Trek Into Darkness“ vor. Für den Filmemacher war das nicht unproblematisch, inhaltlich wie technisch. Seinen ersten „Star Trek“-Film vergleicht er mit einer Liebesgeschichte, da habe er den Ursprung, das erste Kennenlernen von Kirk, Spock und Co. zeigen können. Am Ende ging man da zusammen in den Sonnenuntergang. Aber was passiert dann? Auch technisch war der neue Film eher eine Herausforderung. Abrams hat alle Außenaufnahmen im IMAX-Format gedreht, das sorge für wirklich spektakuläre Bilder, doch der visuelle Mehrwert hat seinen Preis. „Die IMAX-Kameras sind klobig und unhandlich, unwahrscheinlich unzuverlässig und ständig kaputt“, erklärt der Regisseur, trotz verbesserter Bild- und Effekttechnik sei da immenser Organisations- und Planungsaufwand nötig, um zeitgemäße Schauwerte zu gestalten. „Mir war es sehr wichtig, dass der Film einerseits so groß und spektakulär wie nötig und möglich ist“, sagt Abrams, „dabei aber andererseits auch intim und emotional.“
Star Trek Into DarknessSo stellt Abrams einigen wirklich unglaublichen Action-Sequenzen – eine aus dem Meer auftauchende Enterprise, Verfolgungsjagden mit kleinen Raumschiffen durch Industrie-Ruinen oder zu Fuß über fliegende Müllcontainer, ein freier Fall durchs All – gekonnt persönlichere Momente und Nöte gegenüber. Da verliert James T. Kirk (Chris ­Pine) das Kommando über sein Schiff, weil ihm das Leben seines ersten Offiziers Spock (Zachary Quinto) wichtiger ist als alle Dienstvorschriften, während der seinerseits an Fragen der Loyalität, der Vergänglichkeit, aber auch an der Beziehung zu Kommunikationsfachfrau Uhura (Zoe Saldana) laboriert. Abrams erdet so sein Weltraumabenteuer, nimmt dabei aber die (ge-)wichtigen Fragen seiner Geschichte ernst, ohne in Grübeleien zu verfallen. Kirk ist immer noch impulsiv, ein Frauenheld mit Hang zu der klassischen Musik der Beastie Boys, Spock und Uhura streiten sich in unpassenden Momenten und auch vor dem Chef. In Abrams‘ Film ist die Technik vielleicht futuristisch, aber die Probleme sind sehr jetztzeitig.
Star Trek Into DarknessAuch die Rahmenhandlung von „Star Trek Into Darkness“ balanciert eindrucksvoll die Welt von morgen mit der von heute aus. Dass ein ominöser „John Harrison“ (Benedict Cumberbatch) auf einem Rachefeldzug gegen die Sternenflotte ist und dafür Tausende Zivilisten sterben lässt, macht ihn zum gesuchten Terroristen. Dessen Zufluchtsort ist bald lokalisiert, eine verlassene Stadt auf dem Heimatplaneten der kriegerischen Klingonen. Kirk bekommt sein Schiff zurück und einen klaren Befehl: Aus der sicheren Distanz nahe der klingonischen Grenze soll Harrison mit Photonen-Torpedos „neutralisiert“ werden, Krieg gegen den Terror im All. Nur ­Enterprise-Bordingenieur Scott (Simon Pegg) will damit nichts zu tun haben. Dessen Einwände sind erst technischer, letztlich aber moralischer Natur, er sei nicht zur Sternenflotte gegangen, um für Militär oder Geheimdienst derart schmutzige Arbeit zu machen: „Ich dachte, wir wären Entdecker!?“
Man muss kein Trekkie sein, um „Star Trek Into Darkness“ zu mögen, trotzdem bietet Abrams der Fangemeinde wieder allerlei vertraute Namen und Story-Wendungen. Offenbar arbeitet er gern im Spannungsfeld von Tradition und Modernisierung, anders ist auch sein nächstes Projekt kaum zu erklären: Bis 2015 soll er für Disney einen neuen „Star Wars“-Film („Episode VII“) fertigstellen. Einfach wird auch das nicht, die „Star Wars“-Fans sind eine noch gewaltigere, lautstarke, rasch übellaunige Gemeinde. „Ich bin selbst ein großer Star-Wars-Fan“, sagt J.J. Abrams. „Die Freude, daran zu arbeiten, überwiegt jede Sorge vor dem Zorn einiger Fans und vor äußerem Druck. Dafür finde ich das alles viel zu aufregend.“

Text: Thomas Klein

Foto oben und unten: Zade Rosenthal / 2012 Paramount Pictures

Foto mittig: 2013 Industrial Light & Magic, A Division of Lucasfilm Entertainment Company Ltd.

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Star Trek Into Darkness“ im Kino in Berlin

Star Trek Into Darkness, USA 2013; Regie: J.J. Abrams; Darsteller: Chris Pine (James T. Kirk), Zachary Quinto (Spock), Zoe Saldana (Nyota Uhura); 129 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 9. Mai

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