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Im Kino: „Stereo“ mit Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu

Stereo

In „Emmas Glück“ landete Jürgen Vogel als flüchtiger Gangster auf einem Bauernhof. Konnte das gut gehen? In „Stereo“ betreibt Jürgen Vogel in ländlicher Idylle eine Motorradwerkstatt und versucht sich als Ersatzpapa bei der fünfjährigen Tochter seiner neuen Freundin Julia. Kann das gut gehen?
Schon der Vorspann, in dem ein Molotowcocktail gezündet wird, unterminiert die nachfolgende Idylle. Wir haben allen Grund anzunehmen, dass von Eriks zwielichtiger Großstadtvergangenheit mehr geblieben ist als das riesige Tattoo „Halunke“. Und da ist auch eine Roma-Gruppe, die in der Nähe ihr Wohnwagenlager aufschlägt. Einer von ihnen, Gaspar, behauptet, ihn von früher her zu kennen, und fordert ihn auf, etwas zu Ende zu bringen, von dem Erik gar nicht weiß, dass er es einmal angefangen hat. Und schließlich ist da noch der Mann mit Kapuze, den Erik zuerst in der Ferne wahrnimmt, der dann immer näher kommt und ihn mit seiner Mischung aus guten Ratschlägen und obszönen Bemerkungen langsam in den Wahnsinn treibt.
Man mag in „Stereo“ Elemente aus Cronenbergs „History of Violence“ und Finchers „Fight Club“ entdecken, aber das stört nicht, schließlich lebt der Genrefilm von der Variation des Immergleichen. Mit Lichtsetzung, Musik und Sounddesign zeigt Maximilian Erlenwein, wie souverän er sein Handwerk beherrscht. Seinen Protagonisten und mit ihm den Zuschauer schickt er auf einen Höllentrip, eine Reise ins Herz der Finsternis, die zur Konfrontation mit dem wird, was in uns steckt, von dem wir aber lieber nichts wissen wollen. Das ist schmerzhaft – so wie jedes Kino, das nicht nur unterhalten, sondern auch verstören will.

Text: Frank Arnold

Foto: Stephan Rabold / Frisbee Films / Wild Bunch Germany 2014

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Stereo“ im Kino in Berlin

Stereo, ?Deutschland 2014; Regie: Maximilian Erlenwein; ?Darsteller: Jürgen Vogel (Erik), Moritz Bleibtreu (Henry), Petra Schmidt-Schaller (Julia); 94 Minuten; FSK 16

Kinostart: 15. Mai

Lesen Sie hier: Ein Interview mit Regisseur Maximilian Erlenwein

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