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Im Kino: „Stiller Sommer“ von Nana Neul

Eine deutsche Akademikerfamilie findet sich, einer nach dem anderen, in ihrem französischen Sommerdomizil ein: ein malerisches Haus in Südfrankreich, dort wo Ehefrau Kristine (Dagmar Manzel), ihr Mann Herbert (Ernst Stötzner) und die gemeinsame studierende Tochter Anna (Marie Rosa Tietjen) jedoch seit Ewigkeiten nicht mehr waren. Die verdrängten Gründe hierfür und warum Herbert das Haus verkaufen will, kommen erst allmählich zum Vorschein.
Anfangs überwiegt in Nana Neuls Film ein leichtherziger Ton: Im Zentrum steht Kristine, die ihre Stimme verloren hat und nur noch mimisch mit alten Nachbarn von einst kommunizieren kann – einer polyglotten Truppe Althippies. Etwas nah am Klischee der aus dem Alltag ausbrechenden reifen Frau wirkt es teils, wenn sie sich auf eine Amour fou mit dem französischen Lover ihrer Tochter einlässt. Eine überraschendere Story birgt die zweite Hälfte, die sich um ihren später anreisenden Mann dreht. Rückblenden auf zurückliegende Zeiten mischen sich in das Ferien-idyll, der Film bekommt eine neue Perspektive. Rückwirkend erhalten so auch die Frauenfiguren Tiefendimensionen, die zuvor etwas fehlten.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Zorro Film

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Stiller Sommer“ im Kino in Berlin

„Stiller Sommer“, ?Deutschland 2013; Regie: Nana Neul; Darsteller: Dagmar Manzel (Kristine), Ernst Stötzner (Herbert), Victoria Trauttmansdorff (Barbara); 85 Minuten; FSK 6; Kinostart: 10. April

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