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Im Kino: „Suffragette“

Im Kino:

Knapp zehn Jahre, nachdem sich die Suffragetten vor allem im angelsächsischen Raum formierten, erschien der Stummfilm „Die Suffragette“ (1913) von Urban Gad. Leider nur noch fragmentarisch erhalten, widmet er sich in fünf Akten der wohlhabenden Nelly Panburne (Asta Nielsen), die sich dazu entschließt, Teil einer der ersten Frauenrechtsbewegungen zu werden. Durch sie erhält sie zudem erstmals Einblick in die Realität zahlreicher, weit weniger komfortabel lebender Frauen.
Das Drama „Suffragette“ der britischen Regisseurin Sarah Gavron entscheidet sich für eine andere Perspektive, von Anfang an spielt der Film genau dort, wo es schmerzt. Mit Carey Mulligan in der Hauptrolle der Wäscherin Maud Watts lässt Gavron ein Milieu wiederauferstehen, in dem die Arbeit hart, der Verdienst gering und der Anrechte wenige waren.
Seit ihrem siebten Lebensjahr schuftet Maud in der Wäscherei im Londoner East End, wo sie sich nicht nur ihre Gesundheit ruiniert, sondern auch Ehemann Sonny (Ben Whishaw) kennengelernt hat. Mit ihm hat sie einen kleinen Sohn, der von Sonny in strenger, der Obrigkeit ergebener Manier erzogen wird. Die Suffragetten spielen in Mauds Leben keinerlei Rolle, bis sie auf der Straße in ein Gemenge militanter Frauen gerät, in dem sich auch Kollegin Violet (Anne-Marie Duff) befindet. Sie unterrichtet Maud über die Anführerin der Bewegung, Emmeline Pankhurst (Meryl Streep, die in einigen schönen „Evita“-ähnelnden Momenten zu sehen ist), und überzeugt sie davon, sich der Bewegung anzuschließen.
Ein Erlebnis bringt Maud dazu, das eigene Dasein zu hinterfragen. Es ist eine Bewusstwerdung, die mit einer neuen Erfahrung von Schmerz einhergeht. Mulligan wandelt sich dabei von einer kümmerlichen Frau zu einer zigarette-rauchenden Kämpferin. Gleichwohl handelt es sich um einen Opfergang, den Sarah Gavron bisweilen ein wenig zu sehr ästhetisiert.         

Text: Carolin Weidner

Foto: 2016 Concorde Filmverleih

Orte und Zeiten: Suffragette

Suffragette GB 2015; R: Sarah Gavron; D: Carey Mulligan (Maud Watts), Helena Bonham Carter (Edith Ellyn), Brendan Gleeson (Inspector Arthur Steed); 107 Min.

Kinostart: Do, 4. Februar 2016

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