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Im Kino: „Sunshine Barry & Die Discowürmer“ und „Niko, ein Rentier hebt ab“

Musik kann das Leben verändern. So ergeht es auch Barry: Er legt eine Platte aus den 1970er Jahren auf, und es durchfährt ihn wie ein Blitz. Barry kann nicht mehr stillsitzen. Sofort fasst er einen Entschluss: Das will er auch!
Die Musik ist Disco, Barrys Attitüde hingegen entspricht eher der eines Garagen-Punks: Er rekrutiert den besten Freund als Bassisten, dazu einen schwulen Heavy-Metal-Gitarristen, der sich in seinen Albträumen von den Village People verfolgt sieht, sowie eine Sängerin, die nicht singen kann. Dann wirft er sich selbst noch in den Glitzeranzug, und los geht’s. Es gibt nur ein Problem: Barry und seine Freunde sind Würmer – und die stehen im Tierreich ganz weit unten auf der sozialen Leiter. Niemand will eine Combo namens „Sunshine Barry & Die Discowürmer“ sehen.
Da gilt es also, noch einige groovende Überzeugungsarbeit zu leisten – auch bei Barrys Mutter, die für ihren Sohn längst eine Karriere im mittleren Kompostmanagement ins Auge gefasst hat.
Die Komödie des dänischen Regisseurs Thomas Borch Nielsen zeigt erneut, dass in Europa die lustigsten Ideen für Animationsfilme aus den skandinavischen Ländern kommen. Die Geschichte strotzt vor Charme und Witz, zudem sind die musizierenden und tanzenden Underdog-Würmer auch noch überaus amüsant animiert. Im übrigen ist „Sunshine Barry …“ keineswegs ein Film nur für Dis­co-Nostalgiker geworden: Die „Finde deinen Weg und sei du selbst“-Story ist ein zeitloser Klassiker, ebenso wie die Musik, die eher aus Qualitäts-Funk denn aus Kirmes-Schlagern besteht.
Auch der erste Weihnachts­ani­mationsfilm des Jahres stammt aus dem Norden: Die (vornehmlich) finnische Produktion „Niko, ein Rentier hebt ab“ erzählt von einem kleinen Rentier, das seinen ihm unbekannten Vater in der Schlitten-Truppe des Weihnachtsmannes vermutet und sich auf den Weg macht, ihn zu suchen. Design und CGI-Animation des Films von Michael Hegner und Kari Juusonen wirken recht attraktiv, wenngleich deutlich niedlicher gestaltet als etwa die Discowürmer. Auch hier gibt es eine Reihe von drolligen Szenen – vor allem, als Niko endlich die fliegenden Weihnachtsmann-Rentiere trifft, einen überaus sorglosen und leicht versoffenen Haufen, der nicht unbedingt so agiert, wie es sich der Jüngling vorgestellt hat.
Ein Problem liegt allerdings darin, dass sich der Film, der sich als Unterhaltung für ein sehr junges Publikum versteht, seine Geschichte mit massiven Bedrohungsszenarien begleitet – und die bösen Wölfe, die Niko verfolgen, wirken richtig bedrohlich. Das Amüsement hängt also davon ab, wie hartgesotten die kindli­chen Kinobesucher sind – sonst sind Tränen wohl vorprogrammiert.

Text: Lars Penning

Sunshine Barry & Die Discowürmer (Disco ormene), Dänemark/Deutschland 2008; Regie: Thomas Borch Nielsen; Farbe, 79 Minuten

Orte und Zeiten: „Sunshine Barry & Die Discowürmer“ im Kino in Berlin

tip-Bewertung: Sehenswert

Kinostart: 29. Oktober

 

Niko, ein Rentier hebt ab (Niko: Lentäjän poika), Deutschland/ Finnland/Dänemark/Irland 2008; Regie: Michael Hegner und Kari Juusonen; Farbe, 79 Minuten

Orte und Zeiten: „Niko, ein Rentier hebt ab“ im Kino in Berlin

tip-Bewertung: Annehmbar

Kinostart: 5. November

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