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Im Kino: „Szenario“

Szenario

Vor einer Weile wanderte eine kuriose Ausstellung durch Galerien: Zu sehen waren Fotografien und Papierdokumente von 1970, in denen ein Kölner Geschäftsmann die Affäre mit seiner Sekretärin akribisch festhielt. Der Zufallsfund einer Haushaltsauflösung regte Philip Widmann und Karsten Krause zu einem filmischen Essay an. Aus dem Off zu hören sind betont nüchtern die Aufzeichnungen der erotischen Treffen; wobei der Mix aus formeller und derber sexueller Sprache einige Komik birgt.
Eigene Mutmaßungen der Filmemacher sowie statistische Informationen zum Durchschnittsbürger in den 70ern ergänzen die O-Töne. Die Bildebene bleibt derweil distanziert bis unverbunden: Zu sehen sind Kölner Alltagsansichten und das Konvolut im Archiv. Der skurrilen erotischen Geschichte aber frachtet der soziologische Überbau eine nicht zwingend nötige Dimension auf. Fast meint man, der Film sucht umständlich eine Legitimation dafür, sich im intimen Tagebuch zweier Unbekannter zu vertiefen.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Arsenal – Institut fu?r Film und Videokunst e.V.

Orte und Zeiten: „Szenario“ im Kino in Berlin

Szenario, Deutschland 2014; Regie: Philip Widman, Karsten Krause; Darsteller: Lisa Arndt (Frau), Odine ?Johne (Monika), Kenneth Huber (Hans); 89 Minuten

Kinostart: Do, 09. April 2015

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