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Im Kino: „Tag und Nacht“

Tag und Nacht

„Hoffentlich kommt er schnell, dann schaff ich’s noch auf’d Uni“, sagt Hanna, eine professionelle Abgebrühtheit vortäuschend, die sich im Laufe von „Tag und Nacht“ als Fiktion herausstellt. Am Anfang steht die selbstbewusst-übermütige Idee, die Miete für die schicke neue Wohnung in guter Lage statt mit den üblichen Studentenjobs mit Prostitution zu verdienen. Callgirl statt Callcenter: Das klingt plausibel und kann doch kaum gut gehen. Nicht nur wegen der Neurosen der Freier, sondern stärker noch, weil die Trennung der Sphären sich als unmöglich erweist.
„Wir sind dein Feinkostladen, die Hanna und ich“, sagt Lea selbstbewusst zu ihrem „Agenten“ – und wird shoppingsüchtig, als müsse sie sich immer wieder aufs Neue der Legitimität von Geld-Ware-Geschäften versichern. Regisseurin Sabine Derflinger arbeitet – so problematisch die Kategorie ist – mit einem weiblichen Blick auf die Körper in ihrer Fleischlichkeit zwischen Individualität und konfektioniertem Begehren. Die Formen der wechselseitigen Auslieferung und Kontrolle werden durchdekliniert, ohne in Schematismus zu verfallen. Lediglich der etwas holprige Schluss wirkt bemüht sinnheischend und nicht auf dem Differenzierungsniveau des übrigen Films.

Text: Stella Donata Haag

Foto: W-Film

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Tag und Nacht“ im Kino in Berlin

Tag und Nacht, Österreich 2011; Regie: Sabine Derflinger; Darsteller: Anna Rot (Lea), Magdalena Kronschläger (Hanna), Philipp Hochmair (Mario); 101 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 19. Januar

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