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Im Kino: „Tangerine“ von Irene von Alberti

tangerineTanger galt in den 1920er Jahren als Sündenbabel Nordafrikas, als sich Schmuggler, Spione und Glücks-ritter in der unter internationalem Protektorat stehenden Stadt tummelten. In den 50ern lebten Bohemiens und Künstler wie Francis Bacon, Jean Genet oder William Burroughs in der orientalischen Sin City, wo es problemlos und preiswert Sex und Drogen aller Art gab. „Tangerine“ beleuchtet nun das Milieu semiprofessioneller Prostituierter im heutigen Tanger anhand einer deutsch-marokkanischen Dreiecks­geschichte. Dabei vermit­telt das Beziehungs-drama mit stimmungsvollen Aufnahmen der Stadt-landschaft und durch Beibehaltung der (untertitelten) Originalsprachen auch einen lebendigen Eindruck von der besonderen Atmosphäre und dem kosmopolitischen Flair Tangers.

Tom und Pia pilgern aus Berlin nach Marokko, um traditionelle Jilala- und Jajouka-Musiker aufzusuchen. In der Beziehung des jungen Paares kriselt es, Pia möchte eigene Wege gehen. In einem Nachtclub lernen die beiden Amira kennen, die in einer WG mit Barfrauen wohnt. Als Pia ihr sagt, sie sei nicht mehr mit Tom liiert, bezirzt die reizvolle Marokkanerin den Deutschen, bis der bereit ist, Amira mit nach Berlin zu nehmen. Das treibt wiederum Pia in einen Gewissenskonflikt, die die Sache zwischen Tom und Amira angezettelt hat, um ihre eigenen Gefühle Tom gegenüber zu testen.

Authentisch und ungeschminkt zeigt Alberti den Alltag einer Gruppe von Frauen, die im Gunstgewerbe anschaffen und dafür verachtet und bedroht werden. Wenn die Frauen in ihrer WG feiern, nachts auf Kundenfang gehen und im morgendlichen Katzenjammer zu Hause schon wieder zur Flasche greifen, gelingt es dem Film, ein Gefühl der Nähe zu diesen Außenseiterinnen herzustellen. Amira und ihre (von einer wirklichen Barfrau verkörperte) Freundin Mimita hoffen auf Heirat mit einem Ausländer, der ihnen ein schönes Leben bieten kann. Amira scheint dem Traum von einem besseren Leben am Ende einen Schritt näher zu kommen – sie tritt nun als Tanzstar in einem Musikvideo auf.

Text: Ralph Umard

tip-Bewertung
: Sehenswert

Tangerine Deutschland/Marokko 2008; Regie: Irene von Alberti; Darsteller: Sabrina Ouazani (Amira), Nora von Waldstätten (Pia),
Alexander Scheer (Tom); Farbe, 95 Minuten;

Kinostart: 14.5.

Aufführung in Anwesenheit der Regisseurin am Montag, 18. Mai, im Moviemento, um 20.15 Uhr

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