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Im Kino: „Ted“

Ted

Die Geschichte eines Mannes, der nicht erwachsen werden will: John ist mittlerweile 35 Jahre alt, aber seine engste Bezugsperson ist seit 27 Jahren Ted, ein lebendig gewordener Plüschteddy. Nach einer durch Skandale beendeten Medienkarriere lebt dieser jetzt wieder bei Johnny, gemeinsam ziehen sich die beiden auf der Couch Drogen rein oder schauen sich ihren Lieblingsfilm „Flash Gordon“ an. Irgendwann wird das aber auch Johns äußerst geduldiger Freundin Lori zu viel. Kann John den Absprung schaffen und endlich erwachsen werden?
Seth MacFarlane hätte es sich leichter machen können. Dann hätte er „Family Guy – The Movie“ gedreht, eine Kinoversion seiner beliebten Fernsehserie. Weil der Regisseur bei „American Dad!“ und „The Cleveland Show“ jedoch auch noch zwei weitere schräge Familien im Gepäck hat, ist durchaus verständlich, dass er für sein Kinodebüt etwas anderes wollte. Allerdings ist auch Ted durchaus ein Verwandter von MacFarlanes früheren Schöpfungen, kommen aus seinem Mund doch reichlich Obszönitäten.
Was anfangs noch seinen Witz hat, verliert schnell durch ständige Wiederholung und man gewinnt eher den Eindruck, MacFarlane wolle mit allen Mitteln provozieren. Dazu kommt in „Ted“ eine derartige Vielzahl von popkulturellen Referenzen, dass selbst die Produzenten der DreamWorks-Animationsfilme, die unter dieser Art von Namedropping auch schon immer gelitten haben, vor Neid erblassen würden. Auch die dramatische Düsternis der letzten halben Stunde, in der Ted von einem gestörten Vater (grandios: Giovanni Ribisi) entführt wird, und die noch einmal ein anderes Licht auf die Beziehung zwischen John und Ted werfen könnte, verpufft im allseitigen Happy End. Das lässt den Zuschauer zweifeln, ob John wirklich erwachsen geworden ist und ob es MacFar­lane letztlich nicht mehr um die Gags als um die Geschichte geht. Surreale Momente bietet der Film jedoch reichlich und die Hingabe an ein Stück Trivialkultur wie „Flash Gordon“, dessen Hauptdarsteller Sam Jones hier als er selbst mitwirkt, ist ebenso rührend wie ansteckend.

Text: Frank Arnold

Foto: UPI

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Ted“ im Kino in Berlin

Ted, USA 2012; Regie: Seth MacFarlane; Darsteller: Mark Wahlberg (John Bennett), Mila Kunis (Lori Collins), Seth MacFarlane (Ted); 106 Minuten; FSK 16

Kinostart: 2. August

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