Kino & Stream

Im Kino: "Töchter ohne Väter"

Im Kino: "Töchter ohne Väter"

"Lebte ich in deinem Sinne?", "Bist du stolz auf mich?", "Wo bist du nur solange geblieben?" – Fragen auf die im Krieg aufgewachsene und vaterlose Töchter ein Leben lang eine Antwort ersehnen. Regisseur Andreas Fischer lässt neun Frauen mit diesem Schicksal in seinem Dokumentarfilm "Väter ohne Töchter" ausführlich zu Wort kommen und umschreibt damit das Lebensgefühl einer Generation, die geprägt ist durch Selbstzweifel, Sehnsucht und Schmerz.
Mit einem Vater, der im Krieg fiel und einer jungen Mutter, die an dem Leid zerbrach, haben sich diese Töchter irgendwo in den Trümmern einer Ehe als ein letztes Vermächtnis des Vaters begriffen.
Die Frauen erzählen von Schlüsselmomenten und Erinnerungen, die Geschichten berühren zutiefst weil sie von schlichter Wahrheit sind. Viele konnten ihren Vater nie kennenlernen, er blieb eine Art heiliges Mysterium, ein aus Anekdoten und Fotos entstandene Fantasiefigur. Private Fotos und Briefe geben einen intimen Einblick in eine aufgewühlte Gefühlswelt.
Erst mit großem zeitlichen Abstand können sich die "Töchter ohne Väter" auch mit der Beteiligung ihrer verklärten Väter an Verbrechen des NS-Regimes auseinander. Die Zitate, die durch den Film führen, verleihen ihm ein fast schon poetisches Antlitz. Ein alles andere als nüchterner Dokumentarfilm mit historischer Bedeutung über eine "liebelose" Generation.    

Text: Anouk Kesou

Foto: Moraki Kulturprodukte

Orte und Zeiten: Töchter ohne Väter

Töchter ohne Väter D 2016, 90 Min., R: Andreas Fischer

?Kinostart: Do, 21. April 2016

Mehr über Cookies erfahren