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Im Kino: „Töchter“

Töchter

Auf den ersten Blick könnten sie unterschiedlicher kaum sein: die alternde Agnes, eine verhärmte Bildungsbürgerin; Unentschlossenheit, Zweifel, Misstrauen und Affekthemmung deuten auf einen Zwangscharakter hin. Und die asoziale Ines, eine impertinente, parasitär lebende Stadtstreicherin, die in Agnes‘ Leben eindringt, sie schamlos ausnutzt und sich nicht abschütteln lässt. Warum lässt Agnes sich das gefallen? Hat sie Schuldgefühle wegen ihrer eigenen Tochter, die 15-jährig von zuhause weggelaufen ist? Die kammerspielartige Inszenierung der enervierenden Auseinandersetzung der Frauen, mit ständigen Großaufnahmen ihrer Gesichter, macht es dem Zuschauer schwer, emotionale Distanz zur quälenden Konfrontation zweier einsamer Seelen zu wahren, die sich trotz unterschiedlicher sozialer Prägung beide vor ihrer existenziellen Verunsicherung und der Angst schützen wollen, verletzt zu werden.

Text: Ralph Umard

Foto: R.Vorschneider | MadonnenFilm

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Töchter“ im Kino in Berlin

Töchter, Deutschland 2014; Regie: Maria Speth; Darsteller: Corinna Kirchhoff (Agnes), Kathleen Morgeneyer (Ines), Hermann Beyer (Kommissar); 92 Min.

Kinostart: Do, 11. September 2014

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