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Im Kino: „Tokyo Tribe“

Im Kino:

Leicht gemacht hat es der japanische Filmemacher Sion Sono seinem Publikum eigentlich nie. 1961 in der Präfektur Aichi geboren, versuchte sich Sono zunächst als experimenteller Dichter zu verwirklichen, bevor er sein Studium schmiss und sich der Filmregie zuwandte. 2001 feierte er mit „Suicide Club“ einen seiner ersten internationalen Erfolge, der ihm – aufgrund des titelgebenden Themas – zugleich den nicht ganz ungerechtfertigten Ruf eines Enfant terrible einbrachte. Den Sono unter anderem 2005 mit „Strange Circus“ festigte, in dem ein Vater seine Tochter in einen Cellokasten mit Gucklöchern sperrt und dann dazu zwingt, ihm beim Sex zuzuschauen, unter anderem.
„Love Exposure“ aus dem Jahr 2008 ­dauert dann die Kleinigkeit von 237 Minuten, keine davon langweilig, und lässt seinen Protagonisten die erste Liebe als einen Konflikt aus religiösem Wahn und erotischer Besessenheit erfahren. Während 2013 in „Why Don’t You Play in Hell?“, einer Hymne auf das Filmemachen als Wahnsinnstat, mit Karacho die Metaebenen kollidieren. Das Rap-Musical ­“Tokyo ­Tribe“ ist nun allerdings nicht nur deswegen mit Vorsicht zu genießen, weil Sono auch hier die Zügel schießen lässt. Das Problem ist vielmehr, dass er tatsächlich die Kontrolle verliert.
Zumindest scheint er keinerlei Interesse daran zu haben, seiner auf einer Manga-Vorlage von Santa Inoue beruhenden kruden Geschichte über Yakuza-Clan-Fights und rivalisierende Hip-Hop-Gangs so etwas wie Bodenhaftung zu verleihen. Stattdessen wird das Hysterische zum Gestaltungsprinzip erhoben; die abstruse Handlung trägt sich im bonbonbunten Kunstraum eines vage futuristischen ­Tokyos zu und bietet mit Young Dais in einer der Hauptrollen einen der Protagonisten der japanischen Hip-Hop-Szene. Der kann zwar nicht schauspielern, dafür aber rappen – was immerhin Einblick bietet in einen hierzulande nahezu unbekannten Teil globaler Jugendkultur.    


Text:
Alexandra Seitz

Foto: INOUE SANTA TOKYO TRIBE FILM PARTNERS

Orte und Zeiten:
„Tokyo Tribe“ im Kino in Berlin

Tokyo Tribe Japan 2014; Regie: Sion Sono; Darsteller: Tomoko Karina, Akihiro Kitamura (Mukade), Shфta Sometani (Mc), Ryфhei Suzuki (Mera); 116 Minuten

Kinostart:
Do, 16. Juli 2015

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