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Im Kino: „Tom\s Video“

Tom's Video

Hinterher ist man nicht immer schlauer. Der angehende Filmemacher Robert Kassai etwa hätte sich der Sache mit der spurlos verschwundenen Familie Schellenberg besser nicht angenommen. „Irgendwie gruslig“, fand er die Sache, er sah darin allerdings einen guten Stoff. Die Sache entwickelt sich aber nicht nach Plan: „Ich hätte Toms Video nicht sehen dürfen.“ Damit ist in der Logik eines fakedokumentarischen Gruselfilms wie „Tom’s Video“ schon klar, dass auch wir Toms Video sehen wollen, sehen müssen, sehen werden. Doch wer ist Tom? Tom ist der Sohn in der Familie Schellenberg, ein Teenager, der mit seinem Vater nicht im besten Einvernehmen steht. Dass bei Schellenbergs die jüngere Tochter auch schon mal blutverschmiert in der Badewanne liegt, steht dabei nur in losem Zusammenhang mit dem eigentlichen Grauen, auf das Anne von Buskow und Nik Sentenza mit ihrem Film hinauswollen. Leider erweist sich das Geheimnis von „Tom’s Video“ schließlich als nicht ganz so grundstürzend, wie es davor raunend angedeutet worden war. Robert Kassai ist jedenfalls auch nach Sichtung von Toms Video noch da; aber er ist nicht mehr so richtig er selbst. Diese Wirkung dürfte sich bei den allermeisten Zuschauern nicht in der gleichen Weise einstellen, weil es durchaus möglich ist, von „Tom’s Video“ unbeeindruckt zu bleiben.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Neue Filme

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Tom’s Video“ im Kino in Berlin

Tom’s Video, Deutschland 2011; Regie: Anne von Buskow, Nik Sentenza; Darsteller: Patrick Mölleken (Tom Litznik), Dietmar König (Walter Schellenberg), Beate Kurecki (Ruth Schellenberg); 113 Minuten

Kinostart: 18. Oktober 2012

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