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Im Kino: „Über-Ich und Du“

Über-Ich Und Du

Wer etwas erinnern will, das er vielleicht nie vergaß, hat es doppelt schwer. In Benjamin Heisenbergs „Über-Ich und Du“ werden die Figuren von allen möglichen seelischen Nöten geplagt: von selektiven Amnesien, von patriarchalischen Küchenphobien und kriminellen Mütterkomplexen. Gerade richtig für eine aufgedrehte Farce, der nichts und niemand heilig ist, am allerwenigsten die Psychoanalyse, deren schönste Rätsel Andrй Wilms als greiser Analytiker verkörpert. In seiner Nähe verbreiten sich die Neurosen wie Viren – und keine Kur wird zu krude sein, wenn es gilt, sie zu bekämpfen. Als zwei-, drei-, vierbeiniges Rätsel der ödipalen Sphinx wandert Wilms auf der Suche nach seinen Erinnerungen an die Nazizeit durchs Gebirge, begleitet vom souverän jammernden Georg Friedrich, seinem Schmerzensmann der Wahl. Heisenberg beleiht auf dem Weg alle verfügbaren Komödiengenres und inszeniert mit den Fundstücken eine Familientherapie der etwas anderen Art.

Text: Robert Weixlbaumer

Foto: Komplizenfilm

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Über-Ich und Du“ im Kino in Berlin

Über-Ich Und Du, ?Deutschland/Schweiz/Österreich 2014; Regie: Benjamin Heisenberg; ?Darsteller: Andrй Wilms (Curt Ledig), Georg Friedrich (Nick Gutlicht), Bettina Stucky (Rosa); 94 Minuten; FSK 6

Kinostart: 8. Mai

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