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Im Kino: „Unbroken“

Unbroken

Am Ende läuft alles auf eine Frage der Willenskraft hinaus: Der japanische Lagerkommandant Watanabe zwingt den amerikanischen Kriegsgefangenen Louis Zamperini, dessen Widerstandsgeist er schon wiederholt zu brechen versucht hat, dazu, einen schweren Balken auf seinen Schultern zu balancieren. Wie lange werden dessen (Willens-)Kräfte wohl vorhalten? Dass Watanabe sich sehr wohl darüber bewusst ist, dass sein Land zu diesem Zeitpunkt den Krieg bereits verloren hat, gibt der Szene noch eine zusätzliche Kraft. Nach diesen Erfahrungen könnte man es verstehen, wenn Zamperini mit einem lebenslangen Hass auf seine(n) Peiniger in die Heimat zurückgekehrt wäre. Doch das Gegenteil war der Fall: Er setzte sich später für die Aussöhnung der einstigen Kriegsgegner ein.
Der am 2. Juli vergangenen Jahres im Alter von 97 Jahren verstorbene Louis Zamperini war wahrhaftig ein amerikanischer Held, dessen Lebensgeschichte ganz anders begann: als Teenager ein Kleinkrimineller, der erst zu sich fand, als er den Langstreckenlauf entdeckte. Der führte ihn 1936 zur Teilnahme an den Olympischen Spielen. Im Krieg überlebte er nach dem Abschuss seines Bombers 47 Tage in einem Schlauchboot, daran schloss sich die mehr als zweijährige Lagerhaft an, die ihn hinterher vier Jahre lang an Angstzuständen leiden ließ. Erst als er zum Christentum fand, gewann er eine andere Einstellung zum Leben und setzte sich fortan für die Versöhnung ein. Wahrlich ein aufregendes Leben, dessen vielen Facetten der Film gerecht zu werden versucht.
Dabei stehen eindringliche Szenen wie die eingangs erwähnte neben solchen, die aus dem Genre des Kriegsfilms nur allzu vertraut sind; der Weg zum Glauben wird gänzlich ausgespart, bevor Filmaufnahmen des realen, alt gewordenen, aber immer noch rüstigen Zamperini einen Schlusspunkt setzen.

Text: Frank Arnold

Foto: Universal Pictures

Orte und Zeiten: „Unbroken“ im Kino in Berlin

Unbroken (Unbroken), USA 2014; Regie: Angelina Jolie; Darsteller: Jack O’Connell (Louis Zamperini), Domhnall Gleeson (Russell ?Allen „Phil“ Phillips), Miyavi (Mutsushiro ?Watanabe); 137 Min.

Kinostart: Do, 15. Januar 2015

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