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Im Kino: „Unter Bauern“ und „Andula“ erzählen vom Nazi-Terror

Unter Bauern„, ein prominent besetzter Spielfilm, erzählt die Überlebensgeschichte einer deutsch-jüdischen Familie in Westfalen, der Dokumentarfilm „Andula – Besuch in einem anderen Leben“ geht den Spuren der tschechischen Volksschauspielerin Anna Letenskб nach, die 1942 dem Nazi-Terror in Prag nach dem Attentat auf den dortigen SS-Statthalter Reinhard Heydrich zum Opfer fiel.
„Unter Bauern“ schildert in einer Mischung aus Charakterstudie, Heimatfilm und absurder Komödie, wie zwei westfälische Bauern dem Pferdehändler Menne Spiegel (Armin Rohde), der mit ihnen im Ers­ten Weltkrieg diente, ohne viel Aufhebens helfen. Spiegels Frau Marga (Veronica Ferres) und ihr Kind können unter falschen Namen auf dem Bauernhof des knorrigen Familienvaters Aschoff (Martin Horn) und dessen Frau (Margarita Broich) un­tertauchen, er selbst wird zwei Jahre lang von dessen Nachbarn versteckt und verliert in der Einsamkeit fast den Verstand. Angelehnt an die Autobiografie „Retter in der Nacht“, in der die heute 96-jährige Marga Spiegel dem leisen Widerstand westfälischer Bauern ein Denkmal setzte, ist Ludi Boekens Film ein – am Ende tröstliches – Ensemble-Drama über den Kriegsalltag und das schwierige Zusammenwachsen einer konspirativen Notgemeinschaft.
Andula“ ist eine Elegie auf die Prager Volksschauspielerin Anna Letenskб, die nach Heydrichs Ermordung einen Film zu Ende drehen durfte, bevor sie als die unbeteiligte Ehefrau eines tschechischen Widerständlers der Rache der deutschen Besatzer zum Opfer fiel. Fred Breinersdorfer, u.a. Autor von „Sophie Scholl – Die letzten Tage“, hat mit seiner Ko-regisseurin Anna Worst viele Zeitzeugen befragt und fesselndes Archivmaterial zur Person Reinhard Heydrichs und zur Rolle der Tschechoslowakei unter dem Nazi-Regime zusammengetragen. Auch Prag als Film- und Theatermetropole der Zeit und das Leben der populären Andula Letenskб werden plastisch, doch der Fetisch „Einfühlsamkeit“, mit der Geschichte in den Mainstream-Medien popularisiert wird, treibt Blüten. Hannah Herzsprung ist nicht nur die prominente Erzählerin des Films, sie wird auch als sorgenvoll dreinschauendes Andula-Lookalike beziehungsweise stumme Fremdenführerin an den historischen Orten des Terrors inszeniert. Das Gedenken wird unfreiwillig eitel.

Text: Claudia Lenssen

Unter Bauern, Deutschland/Frankreich 2009; Regie: Ludi Boeken; Darsteller: Veronica Ferres (Marga Spiegel), Armin Rohde (Menne Spiegel), Margarita Broich (Maria Aschoff); Farbe, 100 Minuten

Orte und Zeiten: „Unter Bauern“ im Kino in Berlin

tip-Bewertung: Sehenswert

Kinostart: 8. Oktober

 

Andula – Besuch in einem anderen Leben, Deutschland 2009; Regie:Fred Breinersdorfer und Anne Worst; Farbe, 90 Minuten

Orte und Zeiten: „Andula – Besuch in einem anderen Leben“ im Kino in Berlin

tip-Bewertung: Annehmbar

Kinostart: 1. Oktober

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