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Im Kino: „Verdrängung hat viele Gesichter“

Verdrängung hat viele Gesichter

In Berlin tobt der Häuserkampf. Natürlich sind wir nicht im Krieg – doch die Frage, wer wo und wie leben und wohnen kann, stellt sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. „Verdrängung hat viele Gesichter“ (R: Kollektiv Schwarzer Hahn) ist eine Dokumentation aus dem Umfeld von Anti-Gentrifizierungsaktivisten, und damit ist auch gleich klar, wem hier die Sympathien gehören: jenen Menschen nämlich, die sich aufgrund eines geringfügigen Einkommens von Verdrängung bedroht sehen.
Filmisch und journalistisch ist die Dokumentation eine eher holperige Angelegenheit – dass jemand gleichermaßen als Filmemacher, Aktivist und interviewte Person im eigenen Film in Erscheinung tritt, erscheint da ebenso bedenklich wie die Tatsache, dass hier über Jahre gesammeltes Material (mit teils längst nicht mehr im Amt befindlichen Politikern) ohne jegliche Zeitangaben verwendet wird.
Auf der Habenseite kann der Film verbuchen, dass ganz verschiedene Interessengruppen, darunter diverse Mitglieder der ebenfalls als Gentrifizierer verschrienen Baugruppen, ausführlich zu Wort kommen und ihre Positionen deutlich machen können. Aufzulösen ist der Gegensatz zwischen diesen linken (oder auch ehemals linken) Gruppierungen natürlich nicht: Die einen hätten am liebsten gleich ein anderes Gesellschaftssystem, die anderen versuchen sich darin so gut einzurichten wie es eben geht. Deutlich nüchterner analysiert es ein Professor an einer Stelle des Films: Der Bedarf an Wohnungen in Berlin liege im Bereich klein und preiswert, und genau diese Wohnungen würden nicht gebaut.

Text: Lars Penning

Foto: Filmkollektiv Schwarzer Hahn

Orte und Zeiten: „Verdrängung hat viele Gesichter“ im Kino in Berlin

Verdrängung hat viele Gesichter, Deutschland 2014; Regie: Kollektiv Schwarzer Hahn, 90 Minuten

Kinostart: Do, 09. Oktober 2014

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