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Im Kino: „Verfehlung“

Verfehlung

Vor fünf Jahren sahen sich kirchliche Würdenträger heftiger Kritik ausgesetzt, weil sexueller Missbrauch in katholischen Institutionen offenkundig intern bekannt, aber systematisch vertuscht worden war. Wie so etwas funktioniert, zeigt Regisseur und Autor Gerd Schneider – der einst selbst das Priesteramt anstrebte und die Strukturen der Kirche kennt – szenisch prägnant aus der Sicht dreier befreundeter, präzise porträtierter Geistlicher auf. Wie Eltern von Missbrauchsopfern mit der Situation umgehen, wird am Beispiel einer alleinerziehenden Mutter und eines aus dem Kosovo eingewanderten Vaters eindringlich dargestellt.
Die späte Erkenntnis, dass sein engster Freund schwul ist und sich der Verführung Minderjähriger strafbar gemacht hat, bringen einen Gefängnisseelsorger zur Verzweiflung. Soll er ihn aus Loyalität decken? Muss er ihn anzeigen? Seine Vorgesetzten in der Diözese beschwören ihn, zu schweigen. Die Kontaktaufnahme mit der verbitterten Mutter und dem serbischen Vater verstärkt das moralische Dilemma noch. Der Täter indessen zeigt keine Reue, er rechtfertigt seine Intimitäten mit einem 15-Jährigen.
Mittels mehrerer Parallelmontagen von Szenen mit den Beteiligten werden ihre unterschiedlichen Reaktionen direkt gegenübergestellt und eine schicksalhafte Verbundenheit wird angedeutet. Unwillkürlich fragt man sich, wie man selbst in so einer Situation handeln würde.

Text: Ralph Umard

Foto: Alina Bader / Camino Filmverleih

Orte und Zeiten: „Verfehlung“ im Kino in Berlin

Verfehlung, Deutschland 2014; Regie: Gerd Schneider; Darsteller: Sebastian Blomberg (Jakob), Kai Schumann (Dominik), Jan Messutat (Oliver); 95 Minuten

Kinostart: Do, 26. März 2015

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