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Im Kino: „Video Vertov“

50 Jahre ist es her, dass Gerd Conradt seinen ersten Film drehte – Zeit für einen Rückblick des 72-jährigen Filmemachers, der zu den ersten Studenten der Berliner Filmhochschule dffb gehörte und als einer der Ersten hierzulande das Medium Video entdeckte. Als Chronist im Zentrum des Geschehens nahm er zeit seines Lebens die Rolle eines Suchenden ein. In „Video Vertov“ erzählt er anhand eigener Filmaufnahmen (die nebenbei auch eine Chronik der Revolte in Berlin liefern) auch von dem, was man gemeinhin als Irrwege bezeichnet: etwa von den maoistischen Gruppen (die glaubten, sie könnten der Arbeiterklasse den Weg ins Paradies zeigen) oder vom Bhagwan (der meinte, in Poona das Paradies auf Erden zu errichten). Darüber urteilt Conradt in diesem Rückblick nicht – offenbar hat er auch dort etwas für sich gelernt. Überhaupt benennt er die Brüche, politische wie private, eher, als dass er sie analysiert. Das mag Widerspruch herausfordern, sollte sich aber bei Zeitgenossen mit den eigenen Erfahrungen verknüpfen. Alle anderen, nicht nur sein Enkel, dem er diesen Film gewidmet hat, dürften von der Materialfülle ein wenig erschlagen werden.

Text: Frank Arnold

Foto: Basis Film Verleih

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Video Vertov“ im Kino in Berlin

Video Vertov, ?Deutschland 2012; Regie: Gerd Conradt; 93 Minuten; FSK 6

Kinostart: 17. Oktober

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