Kino & Stream

Im Kino: „Vielleicht in einem anderen Leben“

Vielleicht in einem anderen Leben

Ein Todesmarsch gerät ins Stocken. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges strandet eine Gruppe ungarischer jüdischer Zwangsarbeiter auf dem Weg nach ­Mauthausen im Heustadl des Bauern Wolfgang Fasching. Dessen Frau Traudl reagiert angesichts der Elendsgestalten instinktiv: Sie bringt Suppe, Brot, Kartoffeln – und den Bauern auf die Palme, das Dorf gegen sich auf sowie einen Stein ins Rollen. Verhärtete Verhältnisse erweichen, weil die Gestrandeten, dankbar, das schöne Lied vom Wiener Blut einstudieren –, weil es kurz danach aussieht, als könne die Musik, und damit die Kunst, Mord und Totschlag überwinden.
Absurd geht es zu in „Vielleicht in einem anderen Leben“, dem Spielfilmdebüt der Dokumentarfilmerin Elisabeth Scharang, und bleibt dabei doch gelassen. Die Vorlage – das 2007 uraufgeführte Theaterstück „Jedem das Seine“ von Peter Turrini und Silke Hassler – merkt man dem Film an: In Form seines gemessenen, mitunter statischen Inszenierungsstils und seiner Narration, die an die Stelle von Plausibilität die Kraft symbolhafter Verdichtung setzt. Vom Blut wird gesungen, bis Blut fließt und dichterische Freiheit auf politischen Realitätssinn trifft.

Text: Alexandra Seitz

Foto: Eclipse Filmverleih

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Vielleicht in einem anderen Leben“ im Kino in Berlin

Vielleicht in einem anderen Leben, Österreich/Deutschland/Ungarn 2010; Regie: Elisabeth Scharang; Darsteller: Ursula Strauss (Traudl Fasching), Johannes Krisch (Stefan Fasching), Pйter Vйgh (Lou Gandolf); 95 Minuten; FSK 12

Kinostart: 21. Juni

Mehr über Cookies erfahren