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Im Kino: „Viva la libertа“

Viva la libertа

Auch wenn Roberto Andт seine sanfte Satire über die Krise einer linken Partei passgenau in der italienischen Politiklandschaft verortet, lässt sich der Kern der Geschichte überall in Europa ebenso verstehen. Haben sich doch alle großen linken Parteien auf der Suche nach der Mitte der Gesellschaft in genau jene Profillosigkeit begeben, die in „Viva la libertа“ dem farblosen Parteivorsitzenden Enrico Oliveri zum Verhängnis wird. Den stürzen miese Umfragewerte und die ewige Kritik in eine tiefe Depression, der er durch eine wortlose Flucht zu seiner ehemaligen Geliebten nach Paris zu entkommen hofft. Während sich Enrico als Aushilfsrequisiteur beim Film erholt, hat die Partei in ihrer Verzweiflung dessen Zwillingsbruder Giovanni Ernano als Doppelgänger engagiert. Und der gerade erst aus der Psychiatrie entlassene Philosoph begeistert alsbald mit feurigen Reden Parteimitglieder und Wähler. Laute Töne und Hauruck-Humor vermeidet Andт in seiner Parabel über den Außenseiter mit den unkonventionellen Ideen allerdings komplett: Giovannis manchmal durchaus absurden Kapriolen steht gleichberechtigt auch Enricos Wiedergenesung im Milieu zuvor begrabener Träume gegenüber. In der Doppelrolle der entfremdeten Zwillingsbrüder brilliert der unvergleichliche Toni Servillo, der immer stärker die ambivalenten Gemeinsamkeiten seiner Protagonisten spüren lässt – bis der Film schließlich mit einem tollen Bild der Irritation schließt.

Text: Lars Penning

Foto: Arsenal Filmverleih

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Viva la libertа“ im Kino in Berlin

Viva la libertа, ?Italien 2013; Regie: Roberto Andт; ?Darsteller: Toni Servillo (Enrico Oliveri / Giovanni Ernani), Valerio Mastandrea (Andrea Bottini), Valeria Bruni-Tedeschi (Danielle); 94 Minuten; FSK 0

?Kinostart: 27. Februar

Lesen Sie hier: Ein Interview mit Regisseur Roberto Andт

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