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Im Kino: „Was bleibt“ von Hans-Christian Schmid

Was bleibt

Als Film über ein „Heimfahrwochenende“ beschreiben Regisseur Hans-Christian Schmid und Drehbuchautor Bernd Lange lapidar das Thema von „Was bleibt“. Heimfahrwochenende, das klingt gerade für die Provinzflüchtlinge, aus denen die Berliner Kreativenszene vielfach besteht, nach übernächtigten Fahrten nach „Westdeutschland“, nach mit alten Idolen bevölkerten Jugendzimmern und reichlich uneingestandener Erwartung bei allen Beteiligten. Dass man die eigene Vergangenheit einfach nur „besuchen“ könnte, ist eine Illusion, die auch der Jungautor Marko (Lars Eidinger) pflegt, als er mit seinem kleinen Sohn für ein Wochenende von Berlin ins Rheinland fährt. Am Bahnhof erwartet ihn sein jüngerer Bruder Jakob, der sich gerade als Zahnarzt in der Heimatstadt niedergelassen hat, und dessen Freundin, die mit demselben Zug anreist. Gleich nach der Ankunft teilt Vater Günter den lukrativen Verkauf seines Verlages mit. Der anstehende Beginn eines neuen Lebensabschnitts – „jetzt, wo ihr versorgt seid“ – soll in geselliger Runde gefeiert werden, doch Mutter Gitte (Corinna Harfouch) setzt mit einer eigenen Eröffnung die familiären Sollbruchstellen unter Druck: Sie hat beschlossen, die seit 20 Jahren eingenommenen Psychopharmaka abzusetzen.
Aus (plötzlich un)vertrauten Gesten und Ritualen entwickelt sich ein spannendes Drama, das vom großartigen Ensemble so genau gespielt wird, dass szenisch plausibel bleibt, was gefährlich viel bedeutet. Schmid gießt die in die Jahre gekommene Sachlichkeit des Architekten-Bungalows mit seinen Blickachsen und seiner Cinemascope-Horizontalität in leuchtende Bilder, halb Wunderkammer der Erinnerung, halb Kulissenlandschaft. Und drumherum die Wälder.

Text: Stella Donata Haag

Foto: 23/5 Filmproduktion, Pandora Film

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Was bleibt“ im Kino in Berlin

Was bleibt, Deutschland 2012; Regie: Hans-Christian Schmid; Darsteller: Lars Eidinger (Marko Heidtmann), Corinna Harfouch (Gitte Heidtmann), Ernst Stötzner (Günter Heidtmann); 88 Minuten; FSK 12

Kinostart: 6. September

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